Zensur-Ulla und ihre Verbündeten (bzw die mit ihr sich verbunden Fühlenden) haben die große siegversprechende Formel gefunden: Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein. Der gemeine Bürger, den schon der Gedanke an Würmer und Trojaner gar schrecklich durchzuckt, möge zustimmend nicken. Mit seinem Wahlzettel in der Hand.
Was ist das? Agitation? Propaganda? Sahhafismus? - wenn man die tatsächliche Situation deutlich erkennt, aber trotzdem munter das Gegenteil behauptet?
Der Rheinischen Post erzählte Thomas de Maizière (CDU), der Chef des Kanzleramts : "Kann das Internet völlig frei sein? Müssen wir nicht die Menschen vor Denunziation, Entwürdigung oder unseriösen Geschäften schützen wie im Zivilrecht? Ähnlich wie auf den Finanzmärkten brauchen wir mittelfristig Verkehrsregeln im Internet".
Gegenfrage: Was passiert, wenn ich diesen Artikel der Rheinischen Post in voller Länge übernehme? Was passiert, wenn ich Herrn de Maizière aufs Übelste verleumde oder beleidige? Nichts? Das kann und will er nicht ernsthaft behaupten.
Dennoch wiederholt er unverdrossen das Phantasiebild vom Internet als rechtsfreiem Raum. Wie weiland Sahhaf, der, trotz der deutlich sichtbaren Invasionspanzer hinter ihm, unverdrossen das Gegenteil behauptete.
Allerdings ist de Maizière in einer besseren Position. Sein Kalkül, die Rechtsverstöße, die im Internet gewiss auftreten, ebenso wie im wirklichen Leben, umzufabulieren in einen rechts-agnostischen Raum, sind nicht durch Fensehkameras zu widerlegen. Also könnte die von ihm unterstützte Agenda, mittels eines Strohmann-Arguments das Internet aus den gewohnten Angeln zu heben, durchaus aufgehen. Auch wegen der großen Gruppe von eher durch Irrationalität denn Sachkenntnis befeuerten Bürgern.
Der *Sahhaf der Woche* für Thomas de Maizière.
Friday, August 14, 2009
Thursday, August 06, 2009
Google kauft On2 Technologies. Müssen sich Flash Video & Co warm anziehen?
Aktien im Wert von 106,5 Millionen sind es Google wert, On2 Technologies, einen der führenden Entwickler von Video-Codecs, zu übernehmen. Im 4. Quartal soll die Übernahme abgeschlossen sein.
Sofort schossen Spekulationen ins Kraut: Was will Google damit? Sie kommen in den Besitz von VP8, On2's neustem Codec. Von dem jene behaupten, er wäre 40% effektiver als H.264. Google könnte die Entwicklung eines Container-Formats für VP8 vorantreiben. Und versuchen, über eine Open Source Lizenz für VP8, sowie ihre gewaltige Marktmacht in Form von YouTube, einen neuen offenen Standard zu etablieren. Sicherlich schlechte Nachrichten für Adobe und ihr proprietäres Flash-Format, das an Bedeutung verlieren würde.
Aber eine komplett neue Plattform (Container, Hardware-Unterstützung) zu entwickeln ist ein weiter Weg. Vermutlich hat sich Google einfach nur eine Option für die Zukunft zugekauft, um der Abhängigkeit von Adobe, insbesondere der schleppenden Entwicklung von Flash für portable Geräte, zu entgehen.
Und was ist mit H.264? Dan Rayburn schreibt, "no one has seen VP8 in action" Und: "we don't know how good the codec is (...) I have spoken to two content owners who were using VP8 under beta and told me there were not impressed". Geht man davon aus, dass sowohl VP8 wie H.264 noch Spielraum für weitere Optimierungen haben, ist bisher kein dramatischer Vorteil für VP8 zu erwarten. Was aber die Vorrausetzung wäre, um H.264 wirklich angreifen zu können. MPEG LA hat sich allerdings vorbehalten, die Lizenzgebühren für H.264 in einigen Jahren kräftig zu erhöhen. Könnte also gut sein, dass Google sich auch hier nur eine Option offen halten will, nämlich möglichem zukünftigen Druck ausweichen zu können. Aktuell kann VP8 nicht zu Kostendämpfungen beitragen, wie Dan Rayburn detailliert darstellt.
Eine Revolution ist vorläufig also nicht zu erwarten. Peu à peu dürfte VP8 als Option in YouTube, Android und Chrome einfließen. Alles andere wird sich zeigen.
Sofort schossen Spekulationen ins Kraut: Was will Google damit? Sie kommen in den Besitz von VP8, On2's neustem Codec. Von dem jene behaupten, er wäre 40% effektiver als H.264. Google könnte die Entwicklung eines Container-Formats für VP8 vorantreiben. Und versuchen, über eine Open Source Lizenz für VP8, sowie ihre gewaltige Marktmacht in Form von YouTube, einen neuen offenen Standard zu etablieren. Sicherlich schlechte Nachrichten für Adobe und ihr proprietäres Flash-Format, das an Bedeutung verlieren würde.
Aber eine komplett neue Plattform (Container, Hardware-Unterstützung) zu entwickeln ist ein weiter Weg. Vermutlich hat sich Google einfach nur eine Option für die Zukunft zugekauft, um der Abhängigkeit von Adobe, insbesondere der schleppenden Entwicklung von Flash für portable Geräte, zu entgehen.
Und was ist mit H.264? Dan Rayburn schreibt, "no one has seen VP8 in action" Und: "we don't know how good the codec is (...) I have spoken to two content owners who were using VP8 under beta and told me there were not impressed". Geht man davon aus, dass sowohl VP8 wie H.264 noch Spielraum für weitere Optimierungen haben, ist bisher kein dramatischer Vorteil für VP8 zu erwarten. Was aber die Vorrausetzung wäre, um H.264 wirklich angreifen zu können. MPEG LA hat sich allerdings vorbehalten, die Lizenzgebühren für H.264 in einigen Jahren kräftig zu erhöhen. Könnte also gut sein, dass Google sich auch hier nur eine Option offen halten will, nämlich möglichem zukünftigen Druck ausweichen zu können. Aktuell kann VP8 nicht zu Kostendämpfungen beitragen, wie Dan Rayburn detailliert darstellt.
Eine Revolution ist vorläufig also nicht zu erwarten. Peu à peu dürfte VP8 als Option in YouTube, Android und Chrome einfließen. Alles andere wird sich zeigen.
Thursday, July 16, 2009
Ursula von der Leyen und Indien: Noch merk-resistenter geht es nicht
Das Websperren-Gesetz wurde im Eiltempo durchgepaukt. Unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass knapp 100 Länder keine gesetzlichen Regelungen gegen die Verbreitung von Kinderpornographie hätten. Aha. Schließlich wurde als ein Beispiel Indien genannt. Indische Diplomaten wiesen den Vorwurf zurück. Heise hat Details zu dem Vorgang:
Laut indischer Darstellung wird Kinderpornographie in Indien seit 1973 strafrechtlich verfolgt. 2008 wurden eine Reíhe von auf das Internet bezogene Bestimmungen erlassen, mit zum Teil drastischer Tragweite. Die Bunderfamilienministerin hatte sich auf eine ICMEC-Studie von 2006 berufen. Und pickt sich das ihr genehmste Wahrnehungsfragment heraus: "Erste Überprüfungen haben ergeben, dass der Hinweis korrekt ist". Eine aufs trefflichste passende Studie, und man ist aus dem Schneider. Und so ist es lediglich "sehr bedauerlich", dass die "jüngste Entwicklung in Indien" von der Quelle bisher nicht erfasst wurde. Alles also nur ein bedauerliches Aktualisierungsproblem.
Die letztes Jahr in Indien neu aufgelegten Bestimmungen sind Teil einer Novelle des IT-Gesetzes. Mit anderen Worten, es wurden geltende Gesetze explizit auf das Internet ausgeweitet. Darin wird z. B. der Konsum JEDWEDER Art von Pornographie unter Strafe gestellt. Selbst das Aufrufen regulärer Pornseiten durch einen einzelnen Konsumenten kann mit bis zu zwei Jahre Haft belangt werden. Es braucht keine große Vorstellungskraft, um zu begreifen, dass hier nicht plötzlich mit dem Internet eine gänzlich neue Moral, und damit Sanktionslage, verankert wurde. Der bloße Konsum von regulärem Porn, und noch viel mehr von Kinderpornographie, war vorher schon massiv sanktionswürdig.
Davon gänzlich berührt, tänzelt die CDU-Familienpolikerin unverdrossen um ihr winziges Wahrnehmungspartikel, die ominöse ICMEC-Studie. Sie hält die jüngsten Änderungen in Indien, die im übrigen staatlichen Willkürmaßnahmen Tür und Tor öffnen (siehe Heise-Artikel) für "sehr erfreulich". Ein Zeichen, dass in Indien "der politische Wille zur Bekämpfung des Problems jetzt klar vorhanden ist".
Spätestens jetzt fragt man sich, welche Länder noch in der Studie genannt werden. Eigentlich nicht mehr überraschend, erscheinen darin fast ausnahmslos die unterentwickeltsten Dritte Welt Staaten, sowie eine ganze Reihe von islamischen Ländern. Es glaubt doch niemand im Ernst, dass in letzteren Kinderpornographie von der Strafverfolgung ausgenommen bliebe. Es bleibt mir, selbst unter Zugrundelegung primitivster Denkstrukturen, unbegreiflich, wie eine Politikerin eine derartige Argumentation durchzuziehen versucht.
Im Heise Leserforum wurde die komplette Staaten-Liste gepostet:
95 Countries Have No Laws
Africa
Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Cameroon,
Central African Republic, Chad, Comoros, Congo, Cote
d’Ivoire, Democratic Republic of Congo, Equatorial Guinea,
Eritrea, Ethiopia, Gabon, Ghana, Guinea, Guinea Bissau,
Kenya, Lesotho, Liberia, Malawi, Mauritania, Mozambique,
Namibia, Niger, Nigeria, Rwanda, Sao Tome & Principe,
Senegal, Seychelles, Sierra Leone, Somalia, Sudan,
Swaziland, Togo, Uganda, Zambia, Zimbabwe
Asia & the Pacific
Bangladesh, Cambodia, Fiji, India, Indonesia, Laos, Malaysia,
Maldives, Marshall Islands, Mongolia, Nauru, Pakistan,
Singapore, Thailand, Timor Leste, Vietnam
Europe & Eurasia
Afghanistan, Albania, Azerbaijan, Moldova, Monaco,
Turkmenistan, Uzbekistan
Latin America & the Caribbean
Antigua & Barbuda, Bahamas, Belize, Bolivia, Cuba,
Dominica, Grenada, Guyana, Haiti, Jamaica, Netherlands
Antilles, Nicaragua, St. Kitts & Nevis, St. Lucia, St. Vincent &
the Grenadines, Suriname, Trinidad & Tobago
Middle East & North Africa
Algeria, Bahrain, Djibouti, Egypt, Iran, Iraq, Jordan, Kuwait,
Lebanon, Libya, Oman, Saudi Arabia, Syria, United Arab
Emirates, Yemen
Quelle:
http://www.icmec.org/en_X1/pdf/SummerNewsletter2006formatted.pdf
Laut indischer Darstellung wird Kinderpornographie in Indien seit 1973 strafrechtlich verfolgt. 2008 wurden eine Reíhe von auf das Internet bezogene Bestimmungen erlassen, mit zum Teil drastischer Tragweite. Die Bunderfamilienministerin hatte sich auf eine ICMEC-Studie von 2006 berufen. Und pickt sich das ihr genehmste Wahrnehungsfragment heraus: "Erste Überprüfungen haben ergeben, dass der Hinweis korrekt ist". Eine aufs trefflichste passende Studie, und man ist aus dem Schneider. Und so ist es lediglich "sehr bedauerlich", dass die "jüngste Entwicklung in Indien" von der Quelle bisher nicht erfasst wurde. Alles also nur ein bedauerliches Aktualisierungsproblem.
Die letztes Jahr in Indien neu aufgelegten Bestimmungen sind Teil einer Novelle des IT-Gesetzes. Mit anderen Worten, es wurden geltende Gesetze explizit auf das Internet ausgeweitet. Darin wird z. B. der Konsum JEDWEDER Art von Pornographie unter Strafe gestellt. Selbst das Aufrufen regulärer Pornseiten durch einen einzelnen Konsumenten kann mit bis zu zwei Jahre Haft belangt werden. Es braucht keine große Vorstellungskraft, um zu begreifen, dass hier nicht plötzlich mit dem Internet eine gänzlich neue Moral, und damit Sanktionslage, verankert wurde. Der bloße Konsum von regulärem Porn, und noch viel mehr von Kinderpornographie, war vorher schon massiv sanktionswürdig.
Davon gänzlich berührt, tänzelt die CDU-Familienpolikerin unverdrossen um ihr winziges Wahrnehmungspartikel, die ominöse ICMEC-Studie. Sie hält die jüngsten Änderungen in Indien, die im übrigen staatlichen Willkürmaßnahmen Tür und Tor öffnen (siehe Heise-Artikel) für "sehr erfreulich". Ein Zeichen, dass in Indien "der politische Wille zur Bekämpfung des Problems jetzt klar vorhanden ist".
Spätestens jetzt fragt man sich, welche Länder noch in der Studie genannt werden. Eigentlich nicht mehr überraschend, erscheinen darin fast ausnahmslos die unterentwickeltsten Dritte Welt Staaten, sowie eine ganze Reihe von islamischen Ländern. Es glaubt doch niemand im Ernst, dass in letzteren Kinderpornographie von der Strafverfolgung ausgenommen bliebe. Es bleibt mir, selbst unter Zugrundelegung primitivster Denkstrukturen, unbegreiflich, wie eine Politikerin eine derartige Argumentation durchzuziehen versucht.
Im Heise Leserforum wurde die komplette Staaten-Liste gepostet:
95 Countries Have No Laws
Africa
Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Cameroon,
Central African Republic, Chad, Comoros, Congo, Cote
d’Ivoire, Democratic Republic of Congo, Equatorial Guinea,
Eritrea, Ethiopia, Gabon, Ghana, Guinea, Guinea Bissau,
Kenya, Lesotho, Liberia, Malawi, Mauritania, Mozambique,
Namibia, Niger, Nigeria, Rwanda, Sao Tome & Principe,
Senegal, Seychelles, Sierra Leone, Somalia, Sudan,
Swaziland, Togo, Uganda, Zambia, Zimbabwe
Asia & the Pacific
Bangladesh, Cambodia, Fiji, India, Indonesia, Laos, Malaysia,
Maldives, Marshall Islands, Mongolia, Nauru, Pakistan,
Singapore, Thailand, Timor Leste, Vietnam
Europe & Eurasia
Afghanistan, Albania, Azerbaijan, Moldova, Monaco,
Turkmenistan, Uzbekistan
Latin America & the Caribbean
Antigua & Barbuda, Bahamas, Belize, Bolivia, Cuba,
Dominica, Grenada, Guyana, Haiti, Jamaica, Netherlands
Antilles, Nicaragua, St. Kitts & Nevis, St. Lucia, St. Vincent &
the Grenadines, Suriname, Trinidad & Tobago
Middle East & North Africa
Algeria, Bahrain, Djibouti, Egypt, Iran, Iraq, Jordan, Kuwait,
Lebanon, Libya, Oman, Saudi Arabia, Syria, United Arab
Emirates, Yemen
Quelle:
http://www.icmec.org/en_X1/pdf/SummerNewsletter2006formatted.pdf
Sunday, July 05, 2009
ProSieben. Verdammt in alle Ahnungslosigkeit
Hat ProSieben einen Sponsor aus der Trojaner-Industrie? Okay, Späss'l... Extrem-Zyniker mögen so ein Szenario träumen, die Videoseite liefert durchaus entsprechenden wank fodder...
Gehst du nämlich auf die Seite, tauchen diese beiden Grimassenartisten auf deinem Schirm auf:
"Tja, um dieses Video sehen zu können, fehlt dir leider der neue Player (...) Du musst nur auf diesen ... BUTTON DA UNTEN klicken. Und los GE-HETS."
Der Infotrailer verschwindet dann aus dem Overlay. Und es verbleibt diese nackte Information:
Wat für'n PlugIn? Was für'n Video Codec wird benutzt? Was tut das Teil? Version History? Ist ein De-Installer dabei? - Nuscht! Pures religiöses Vertrauen wird verlangt, von wegen, es wird schon keine bösen Nebenwirkungen nach sich ziehen.
Die Ansicht, die ProSieben hier liefert, hat den gleichen look and feel wie echte Trojanerseiten. So ziemlich jeder dürfte das schon gesehen haben: Täuschend echte YouTube (PornTube etc etc) Fakes, und wenn man auf einen Link klickt, kommt eine Ansage wie 'To watch this video, install missing codec'.
Natürlich unterstelle ich ProSieben nicht, dass etwas Böasartiges passieren muss, wenn ich auf ihren Link klicke. Aber: die Benutzer zu verleiten, in blindem Vertrauen IRGENDETWAS zu installieren, ist genau das, wovon die Trojaner-Industrie schon immer geträumt hat. Deshalb: Den Teufel werde ich tun. Nicht nur, weil jemand auf die wirklich böse Idee kommen könnte, die ProSieben Seite täuschend echt nachzubauen...
Jedenfalls: Wer sich auf diese Art einen Trojaner einfängt, ist auf alle Fälle ein Kandidat für die "Dabbschädel des Monats" Verleihung.
Gehst du nämlich auf die Seite, tauchen diese beiden Grimassenartisten auf deinem Schirm auf:
"Tja, um dieses Video sehen zu können, fehlt dir leider der neue Player (...) Du musst nur auf diesen ... BUTTON DA UNTEN klicken. Und los GE-HETS."Der Infotrailer verschwindet dann aus dem Overlay. Und es verbleibt diese nackte Information:
Wat für'n PlugIn? Was für'n Video Codec wird benutzt? Was tut das Teil? Version History? Ist ein De-Installer dabei? - Nuscht! Pures religiöses Vertrauen wird verlangt, von wegen, es wird schon keine bösen Nebenwirkungen nach sich ziehen.Die Ansicht, die ProSieben hier liefert, hat den gleichen look and feel wie echte Trojanerseiten. So ziemlich jeder dürfte das schon gesehen haben: Täuschend echte YouTube (PornTube etc etc) Fakes, und wenn man auf einen Link klickt, kommt eine Ansage wie 'To watch this video, install missing codec'.
Natürlich unterstelle ich ProSieben nicht, dass etwas Böasartiges passieren muss, wenn ich auf ihren Link klicke. Aber: die Benutzer zu verleiten, in blindem Vertrauen IRGENDETWAS zu installieren, ist genau das, wovon die Trojaner-Industrie schon immer geträumt hat. Deshalb: Den Teufel werde ich tun. Nicht nur, weil jemand auf die wirklich böse Idee kommen könnte, die ProSieben Seite täuschend echt nachzubauen...
Jedenfalls: Wer sich auf diese Art einen Trojaner einfängt, ist auf alle Fälle ein Kandidat für die "Dabbschädel des Monats" Verleihung.
Thursday, June 25, 2009
Mac OS X UI Inkonsistenzen #1 - Leere CD/DVD (+ Abhilfe)
Hinter dem User Interface von Mac OS X steckt unübersehbar viel Arbeit und planvolles Bemühen, ALLTÄGLICHES Arbeiten mit dem System, intuitiver, direkter und flüssiger zu gestalten. Richtig bewußt wird Einem das besonders, wenn man sich mit Krassmatentum a la Windows auseinandersetzen muss. Dennoch gibt es immer wieder Brüche in der Benutzerführung - die unnötigerweise Nerven und Zeit kosten.
Ein solcher Klassiker, der seit vielen Jahren, inklusive Leopard, ungelöst im System herumspukt, läuft ab, wenn man ein leeres Medium einlegt.
Erst passiert eine Weile gar nichts, das System versucht augenscheinlich, eine sinnvolle Verwendung zu finden. Schließlich poppt diese Box auf:

"Finder öffnen" ist schon einmal die denkbar sinnloseste Default Option. Was will der Finder bitteschön mit einem leeren Medium??? "Ignorieren" ist die vernünftigste Alternative - wie sehr viele Nutzer nehme ich Toast zum Brennen, und Toast erkennt automatisch leere Medien. "Ignorieren" lässt sich aber nicht als "Standard" einstellen. Beim nächsten Brennen also erneut ... ungläubiges Schulterzucken.
So muss man 'irgendwie' darauf kommen, dass es unter "Systemeinstellungen" den Tab "CDs & DVDs" gibt. Hier nun stehen eine Reihe sinnvoller Standard-Optionen bereit.

Also "Keine Aktion" (= "Ignorieren") gewählt, und die sinnlose Popup Box taucht nie wieder auf. Ein Verweis auf jener zu den Systemeinstellungen würde eine Menge unnötiger Nerverei ersparen.
Ein solcher Klassiker, der seit vielen Jahren, inklusive Leopard, ungelöst im System herumspukt, läuft ab, wenn man ein leeres Medium einlegt.
Erst passiert eine Weile gar nichts, das System versucht augenscheinlich, eine sinnvolle Verwendung zu finden. Schließlich poppt diese Box auf:

"Finder öffnen" ist schon einmal die denkbar sinnloseste Default Option. Was will der Finder bitteschön mit einem leeren Medium??? "Ignorieren" ist die vernünftigste Alternative - wie sehr viele Nutzer nehme ich Toast zum Brennen, und Toast erkennt automatisch leere Medien. "Ignorieren" lässt sich aber nicht als "Standard" einstellen. Beim nächsten Brennen also erneut ... ungläubiges Schulterzucken.
So muss man 'irgendwie' darauf kommen, dass es unter "Systemeinstellungen" den Tab "CDs & DVDs" gibt. Hier nun stehen eine Reihe sinnvoller Standard-Optionen bereit.

Also "Keine Aktion" (= "Ignorieren") gewählt, und die sinnlose Popup Box taucht nie wieder auf. Ein Verweis auf jener zu den Systemeinstellungen würde eine Menge unnötiger Nerverei ersparen.
Monday, November 19, 2007
13-jährige fällt auf falschen MySpace Account herein: Selbstmord !
Deutsche fordern jetzt fälschungssichere Nutzerüberprüfung !
Eine Gemütsangelegenheit scheint es für den Deutschen zu sein, all seine Angelegenheiten, bis in die letzten Schubladen, von institutioneller AUTORITÄT GEREGELT zu bekommen. Der preußische (Alp)traum, im Verbund mit dem davon orchestrierten Kadavergehorsam, beide köcheln immer noch.
Bestes Beispiel sind die von Deutschland im Alleingang betriebenen Jugendschutzgesetze, die für Erotikanbieter, wegen der dadurch für die Kunden aufgestellten Hürden, quasi das ökonomische Aus bedeuten. Zumindest solange die Anbieter von Deutschland aus operieren. Und inzwischen droht sogar die breitgestreute Zugangssperrung/Zensur internationaler Erotikseiten-Betreiber.
Jetzt kam die Meldung von der 13-jährigen Megan Meier aus Missouri, die Selbstmord beging, nachdem sie auf einen "Fake" MySpace Account hereingefallen war. Und in der Folge gravierend in ihrem Selbstwertgefühl verletzt wurde. Wobei Megans Eltern ihrer Aufsichtspflicht durchaus nachkamen.
Spiegel Online hat zu dem Thema, nicht verwunderlich, eine Diskussion eingeleitet, mit der Frage: "Das Web als Waffe: Braucht das Internet strengere Regeln?
Wenn Schäuble nach Kontrolle des Webs ruft, ist ihm Kritik gewiss, doch Dinge wie der Fall Megan Maier machen klar, wie gefährlich das Web sein kann. Wie sollte man damit umgehen?"
Die Fragestellung an sich schon ist pikant bezeichnend. Auch wenn die Mehrheit der Antworten die damit verbundenen Gedankengänge als realitätsfern und überzogen zurückweist - schließlich ist das Internet in seiner Grundstruktur INTERNATIONAL. Und Megans Schickal ist ein Einzelfall, der sich auch ohne MySpace hätte ereignen können. Dennoch finden sich eine ganze Reihe von Spezialisten, die eine fälschungssichere Überprüfung von Forenbenutzern fordern.
Zum Beispiel: "das problem ist, dass man sich quasi annonym anmelden kann und mit falschen Datenangaben. Man gibt was vor, was man nicht ist. Hier sollte angesetzt werden- bei den Betreibern von Foren etc. Die Anmeldedaten sollten verifiziert werden können. So dass man sicher sein kann, dass der Gegenüber auch tatsächlich das ist was er vorgibt."
Gute Nacht, Deutschland. Und viel Spass beim Sperren von MySpace !
Zugegeben. Ein solches Szenario wird nicht eintreten. So unverhältnismäßig realitätsfern und abgerichtet auf die Dressur ihrer Wirklichkeit durch knechtende Verbote sind die Deutschen zum Glück noch nicht.
Tags:
Nutzer Überprüfung
MySpace
Überwachung
Eine Gemütsangelegenheit scheint es für den Deutschen zu sein, all seine Angelegenheiten, bis in die letzten Schubladen, von institutioneller AUTORITÄT GEREGELT zu bekommen. Der preußische (Alp)traum, im Verbund mit dem davon orchestrierten Kadavergehorsam, beide köcheln immer noch.
Bestes Beispiel sind die von Deutschland im Alleingang betriebenen Jugendschutzgesetze, die für Erotikanbieter, wegen der dadurch für die Kunden aufgestellten Hürden, quasi das ökonomische Aus bedeuten. Zumindest solange die Anbieter von Deutschland aus operieren. Und inzwischen droht sogar die breitgestreute Zugangssperrung/Zensur internationaler Erotikseiten-Betreiber.
Jetzt kam die Meldung von der 13-jährigen Megan Meier aus Missouri, die Selbstmord beging, nachdem sie auf einen "Fake" MySpace Account hereingefallen war. Und in der Folge gravierend in ihrem Selbstwertgefühl verletzt wurde. Wobei Megans Eltern ihrer Aufsichtspflicht durchaus nachkamen.
Spiegel Online hat zu dem Thema, nicht verwunderlich, eine Diskussion eingeleitet, mit der Frage: "Das Web als Waffe: Braucht das Internet strengere Regeln?
Wenn Schäuble nach Kontrolle des Webs ruft, ist ihm Kritik gewiss, doch Dinge wie der Fall Megan Maier machen klar, wie gefährlich das Web sein kann. Wie sollte man damit umgehen?"
Die Fragestellung an sich schon ist pikant bezeichnend. Auch wenn die Mehrheit der Antworten die damit verbundenen Gedankengänge als realitätsfern und überzogen zurückweist - schließlich ist das Internet in seiner Grundstruktur INTERNATIONAL. Und Megans Schickal ist ein Einzelfall, der sich auch ohne MySpace hätte ereignen können. Dennoch finden sich eine ganze Reihe von Spezialisten, die eine fälschungssichere Überprüfung von Forenbenutzern fordern.
Zum Beispiel: "das problem ist, dass man sich quasi annonym anmelden kann und mit falschen Datenangaben. Man gibt was vor, was man nicht ist. Hier sollte angesetzt werden- bei den Betreibern von Foren etc. Die Anmeldedaten sollten verifiziert werden können. So dass man sicher sein kann, dass der Gegenüber auch tatsächlich das ist was er vorgibt."
Gute Nacht, Deutschland. Und viel Spass beim Sperren von MySpace !
Zugegeben. Ein solches Szenario wird nicht eintreten. So unverhältnismäßig realitätsfern und abgerichtet auf die Dressur ihrer Wirklichkeit durch knechtende Verbote sind die Deutschen zum Glück noch nicht.
Tags:
Nutzer Überprüfung
MySpace
Überwachung
Tuesday, September 11, 2007
Drastische iPhone Preissenkung - deshalb !
Apple kam durch Einführung des iPod Touch eine etwas vertrackte Situation. Und musste handeln. Die Ankündigung, das 8 GB iPhone jetzt für $399 zu verkaufen (statt bisher $599) und das 4 GB Modell auslaufen zu lassen, war auf den ersten Blick in der Tat überraschend. Macht aber umso mehr Sinn, je genauer man hinschaut.
Auf dem Markt der portablen Abspielgeräte befindet sich Apple in einer ausgesprochen komfortablen Position. Die Konkurrenten (Zune + Co) sind meilenweit abgeschlagen. Und zeigen zur Zeit keine Ansätze, daran etwas zu ändern. Trotzdem gehört ein iPod zu den Konsumgütern, und technologischer Stillstand würde Apples Position, wenigstens mittelfristig, gefährden.
Gleichzeitig ist Apple natürlich nicht entgangen, dass das iPhone nicht nur als Telefon wie eine Bombe auf dem Markt einschlug. Sondern auch als ein Gerät, das äußerst attraktiv und elegant sehr unterschiedliche Funktionen nahtlos in sich vereinigt. So kam es zur Überlegung: Warum sollen wir wesentliche Elemente der 'iPhone Experience' (Design, Multitouch-Display, W-LAN, unverkrüppeltes Internet Surfen) nicht auch zum iPod bringen.
Und Apple präsentierte, parallel zu den weitergeführten, 'klassischen' iPod Linien, den iPod Touch. Der Konkurrenz dürfte ein Schreck in die Glieder gefahren sein, denn dieser Schritt Apples lässt sich (technologisch) nicht so ohne weiteres kontern.
Der neue iPod Touch hätte dann wiederum zum Problem für das iPhone werden können. Man vergegenwärtige sich: der iPod Touch ist ein iPhone minus der Telefonfunktion. Und: $399 für ein 16 GB iPod Touch hätten - gegenüber den $599 (alter iPhone Preis) - die angestrebten iPhone Absatzzahlen gefährden können. Deshalb reifte in Cupertino der Entschluss, handeln zu müssen. Und zwar sofort. Folglich verbilligte man das 8 GB iPhone (als einzig verbliebenes Modell) nur 8 Wochen nach Verkaufsbeginn auf ebenfalls $399.
Diese Entscheidung zusätzlich bestärkt dürfte der seit einigen Wochen nervöse Aktienmarkt haben. Denn: ein schleppender iPhone Absatz würde die Apple Aktie mit Sicherheit unter Druck setzen. Mit dem neuen iPhone Verkaufspreis sollte diese Gefahr gebannt sein. Und die $100 Rabatt, die Apple an alle frühen iPhone Käufer ausschüttet, belasten die Rücklagen nur geringfügig.
Tags:
iPod Touch
iPhone
iPod
Apple
Auf dem Markt der portablen Abspielgeräte befindet sich Apple in einer ausgesprochen komfortablen Position. Die Konkurrenten (Zune + Co) sind meilenweit abgeschlagen. Und zeigen zur Zeit keine Ansätze, daran etwas zu ändern. Trotzdem gehört ein iPod zu den Konsumgütern, und technologischer Stillstand würde Apples Position, wenigstens mittelfristig, gefährden.
Gleichzeitig ist Apple natürlich nicht entgangen, dass das iPhone nicht nur als Telefon wie eine Bombe auf dem Markt einschlug. Sondern auch als ein Gerät, das äußerst attraktiv und elegant sehr unterschiedliche Funktionen nahtlos in sich vereinigt. So kam es zur Überlegung: Warum sollen wir wesentliche Elemente der 'iPhone Experience' (Design, Multitouch-Display, W-LAN, unverkrüppeltes Internet Surfen) nicht auch zum iPod bringen.
Und Apple präsentierte, parallel zu den weitergeführten, 'klassischen' iPod Linien, den iPod Touch. Der Konkurrenz dürfte ein Schreck in die Glieder gefahren sein, denn dieser Schritt Apples lässt sich (technologisch) nicht so ohne weiteres kontern.
Der neue iPod Touch hätte dann wiederum zum Problem für das iPhone werden können. Man vergegenwärtige sich: der iPod Touch ist ein iPhone minus der Telefonfunktion. Und: $399 für ein 16 GB iPod Touch hätten - gegenüber den $599 (alter iPhone Preis) - die angestrebten iPhone Absatzzahlen gefährden können. Deshalb reifte in Cupertino der Entschluss, handeln zu müssen. Und zwar sofort. Folglich verbilligte man das 8 GB iPhone (als einzig verbliebenes Modell) nur 8 Wochen nach Verkaufsbeginn auf ebenfalls $399.
Diese Entscheidung zusätzlich bestärkt dürfte der seit einigen Wochen nervöse Aktienmarkt haben. Denn: ein schleppender iPhone Absatz würde die Apple Aktie mit Sicherheit unter Druck setzen. Mit dem neuen iPhone Verkaufspreis sollte diese Gefahr gebannt sein. Und die $100 Rabatt, die Apple an alle frühen iPhone Käufer ausschüttet, belasten die Rücklagen nur geringfügig.
Tags:
iPod Touch
iPhone
iPod
Apple
Friday, September 07, 2007
Beziehungskonflikte als Spektakel und Edu-tainment
Improvisierte Idee für ein Sendekonzept
Die spontane Idee dazu gab mir eine lockere Reihe von Spiegel Online, worin Besitzer etwas älterer Autos (selten von klassischen Oldtimern) schildern, was sie an ihrem Retro-Modell fasziniert und was sonst so passieren kann. Lese ich immer wieder gern.
Kürzlich ging es um die Mercedes S-Klasse der frühen 80er (Typ W 126). Der Autor ist rundherum begeistert von der damals wegweisenden, bis heute nicht antiquiert wirkenden Konzeption des ehemaligen Mercedes Flagschiffs. Und rühmt die Gelassenheit, die sich beim Fahren einstellt. Bis auf dieses Schreckenserlebnis:
"Die Souveränität endet jäh, wenn nach 15-stündiger Fahrt im Hochsommer kurz vor Barcelona die Klimaanlage ausfällt - und aus dem komfortablen Reisemobil schlagartig ein Hochofen mit gefühlten 1000 Grad wird. In Verbindung mit Uneinigkeit über den weiteren Streckenverlauf eine hochexplosive Mischung, die ich keinem reisenden Paar wünsche."
Grandios ! Diese Szene nachgestellt, hätte schon einmal guten Unterhaltungswert.
Dazu könnte man ALTERNATIVE VARIANTEN filmen, mit anderen Akteuren und Verläufen dieses Konfliktmusters - also Reisen in Spanien (oder woanders wo es sehr heiß ist), Klimaanlage fällt aus, Stress...) und dem Publikum einspielen ...
Vielversprechende Bausteine - Comedy, Real Life Doku und, als Zugabe, der Lerneffekt: wie man mit Konfliktsituationen umgehen kann.
Gut, bis dahin hätte man nichts weiter als interessante Einspieler. Für eine richtige Show bräuchte man Elemente, die das Publikum hineinziehen. Also Kandidaten, die das Publikum polarisieren und es mitfiebern lassen. Es müssten sich Spiel- und Interaktionsaufgaben, als Weiterführung der Einspieler anschließen, worin die Kandidaten gewinnen und verlieren können. Und man vielleicht auch auf sie wetten kann.
In weiteren Shows könnte man sich vergleichbare (Alltags)szenen ausdenken und wieder mit ihnen polarisieren und spielen.
Über den weiteren Ausbau dieses Konzeptes zerbreche ich mir den Kopf aber nur gegen $$$. Oder €€€.
Tags:
Sendekonzepte
Edu-tainment
Konfliktmuster
Die spontane Idee dazu gab mir eine lockere Reihe von Spiegel Online, worin Besitzer etwas älterer Autos (selten von klassischen Oldtimern) schildern, was sie an ihrem Retro-Modell fasziniert und was sonst so passieren kann. Lese ich immer wieder gern.
Kürzlich ging es um die Mercedes S-Klasse der frühen 80er (Typ W 126). Der Autor ist rundherum begeistert von der damals wegweisenden, bis heute nicht antiquiert wirkenden Konzeption des ehemaligen Mercedes Flagschiffs. Und rühmt die Gelassenheit, die sich beim Fahren einstellt. Bis auf dieses Schreckenserlebnis:
"Die Souveränität endet jäh, wenn nach 15-stündiger Fahrt im Hochsommer kurz vor Barcelona die Klimaanlage ausfällt - und aus dem komfortablen Reisemobil schlagartig ein Hochofen mit gefühlten 1000 Grad wird. In Verbindung mit Uneinigkeit über den weiteren Streckenverlauf eine hochexplosive Mischung, die ich keinem reisenden Paar wünsche."
Grandios ! Diese Szene nachgestellt, hätte schon einmal guten Unterhaltungswert.
Dazu könnte man ALTERNATIVE VARIANTEN filmen, mit anderen Akteuren und Verläufen dieses Konfliktmusters - also Reisen in Spanien (oder woanders wo es sehr heiß ist), Klimaanlage fällt aus, Stress...) und dem Publikum einspielen ...
Vielversprechende Bausteine - Comedy, Real Life Doku und, als Zugabe, der Lerneffekt: wie man mit Konfliktsituationen umgehen kann.
Gut, bis dahin hätte man nichts weiter als interessante Einspieler. Für eine richtige Show bräuchte man Elemente, die das Publikum hineinziehen. Also Kandidaten, die das Publikum polarisieren und es mitfiebern lassen. Es müssten sich Spiel- und Interaktionsaufgaben, als Weiterführung der Einspieler anschließen, worin die Kandidaten gewinnen und verlieren können. Und man vielleicht auch auf sie wetten kann.
In weiteren Shows könnte man sich vergleichbare (Alltags)szenen ausdenken und wieder mit ihnen polarisieren und spielen.
Über den weiteren Ausbau dieses Konzeptes zerbreche ich mir den Kopf aber nur gegen $$$. Oder €€€.
Tags:
Sendekonzepte
Edu-tainment
Konfliktmuster
Saturday, August 18, 2007
InfoRadio - Hertha BSC - Dichter im Tunnel zur Zweitklassigkeit

Kurze Feuerpause
InfoRADIO Berlin hat nie viel dafür getan, nicht als eine Bastion Hertha BSC-zentrischer Berichterstattung dazustehen. Wohlwollend ausgedrückt. Die Floskel "aus Berliner Sicht" fehlt in kaum einer Sendung. Eigentlich unnötig. Wir empfinden es auch so: InfoRADIO kann nur Hertha.
Folgt man den überregionalen Berichten wie etwa im Kicker, dann deutet Vieles auf eine schmerzhafte Saison für den Hauptstadtklub hin. Wichtige Spieler musste man ziehen lassen, ohne adäquaten Ersatz bisher, und die finanziellen Mittel sind beschränkt. Manager Hoeness betont bei jeder Gelegenheit, es würde noch Neuverpflichtungen geben. Gebetsmühlenartig, müsste man sagen, denn mit dem nahenden Ende der Transferperiode ist der Markt leer. Und jeder neue Spieler braucht natürlich Zeit für seine Integration in die Mannschaft.
Schlimmer noch, kurzzeitig gab es sogar Gerüchte, der neue Schweizer Trainer Lucien Favre wolle ad hoc seinen Vertrag auflösen, wegen fehlender Qualität des Kaders. Wurde aber umgehend dementiert.
Schlechte Stimmung in Berlin also. Doch aufgemerkt! InfoRADIO hat sich Tröstliches ausgedacht, was die Suche nach dem Schuldigen an der Malaise angeht. Seine Reporter räsonieren darüber, ob die Schweizer Liga, wo Lucien Favre bisher tätig war, nicht eine Nummer zu klein war. Und Favre's massiver Umbau des Kaders (als ob er den eingeleitet hätte !) auf der Weltbühne Bundesliga VON VORNHEREIN zum Scheitern verurteilt sei: Schiffbruch eines naiven Trainers, der halt von einer Provinzbühne kam. Die Jungs vom InfoRADIO haben es perfekt eingefädelt, den Schweizer Trainer mittelfristig zum Abschuss freizugeben.
In Einem ist man nicht von Zweifeln geplagt: Berlins Stolz baut darauf, per se, eigentlich und überhaupt auf Augenhöhe zu sein. Auf Augenhöhe mit allem, was wenigstens national als erste Adresse und große Nummer gilt. Und daher EIGENTLICH mit einem Spitzenklub in der Bundesliga mitzuspielen. Geht das schief, müssen fremde Kräfte schuld gewesen sein. Zum Beispiel der Dolchstoß eines provinziellen Trainers.
All dies begab sich zur Halbzeitpause. In der zweiten Halbzeit hat Hertha überraschend das Spiel drehen können zu einem 3:1 Sieg. Warten wir's ab. Selbst nach diesem vorab und mehr noch nach dem Verlauf der ersten Halbzeit unerwarteten Sieg über Stuttgart ist kaum Euphorie zu hören. Das Stoßfeuer gegen Favre ist nur vorübergehend eingestellt. Sollte Hertha nicht deutlich über dem 10. Platz bleiben, muss auf jeden Fall der vermeintlich überforderte Schweizer Trainer daran schuld sein.
Meine Wertung: Sahafismus 38 auf der 100-stelligen Sahaf Skala.
Tags:
InfoRADIO
HerthaBSC
Lucien Favre
Bundesliga
Wednesday, August 15, 2007
Keine "Apfel"-Taste mehr - iTrolling Journalismus reloaded
Evangelien der Anti-Apple Berichterstattung
Und: Sahaf Skala eingeführt !!!
Erst kürzlich habe ich eine weit verbreitete Tradition von journalistischer Folklore skizziert, die ihre Apple Berichterstattung auf dem immer gleichen Paradigma der 'Applejünger' und ihrer quasi-religiösen/verblendeten Hörigkeit gegenüber der Computermarke aufbaut. Völlig uninteressant für mich ist dabei die Frage, ob diese, im Kern als journalistisches Getrolle daherkommende, - in ihrem Wesen - Verunglimpfung einer scheinbar homogenen Gruppe (hier Applekunden) irgendwo Substanz hat. Klar, ein paar smoking guns lassen sich immer finden. Aber welche Relevanz hat dieser unversteckte Vorwurf? In etwa die gleiche, wie wenn sich bestimmte Spezies ausdauernd an ihren immer gleichen Witzen über Ostdeutsche ergötzen. Oder über Bodybuilder. Nuff said.
Viel interessanter ist, ein paar Strahler auf die journalistischen Trollwerke zu richten.
Apple hat also das Wirrwarr um die Befehlstaste beendet. Und jemand startet einen Blog der, gleichsam als Kampagne, den Titel hat "Rettet die Apfel-Taste". Und bekommt (bis jetzt) 1244 Kommentare. Der zentrale Eintrag ist eher ironisch-lächelnd-nett getextet, traditionelle Aufrufe zu Massenkundgebungen imitierend: "Leistet Widerstand, jede Stimme für die Apfel-Taste zählt!
Wir wollen die Apfel-Taste zurück!
Diesmal bleiben wir standhaft, Steve, nicht wie damals beim Einschaltknopf auf den Tastaturen, den wir vermissen."
Die Argumente, im Blog Eintrag wie in den Kommentaren, klingen eher lustig. Ohne jegliches inhaltliches Dynamit werden auf 'Spirit' und Traditionen verwiesen: "Und während die Computerfirma aus Redmont weiter ihr Signum auf die Tastaturen dieser Welt bannt sollen wir ohne das Apfel-Symbol leben?"
Ich tippe eher auf einen freizeit-situationistischen Spontan-Gimmick, der - auch nicht schlecht ! - schon über 17000 Seitenaufrufe erzeugt hat. Und etwas Partystimmung. Man feiert sich selbst und hat Spaß dabei.
Der Spiegel wiederum kochte daraus eine mächtig dick dampfende Story. "Wütende Apple-Fans - 'Rettet die Apfeltaste' " Bildunterschrift unter einen alten "Apfel"-Taste: "Da glänzen des Applelaners Augen: Nur wo der Apfel prangt, tippt es sich so richtig apfelig" Nach dem journalistischen Trollwerk im Spiegel muss man eine vor-revolutionäre Stimmung im Apfel-Lager vermuten, vergleichbar der Lage in der Ukraine vor der Orangenen Revolution. Das zuvor von mir beschriebene Paradigma über die Apple-Jünger wurde hier noch einmal mächtig radikalisiert.
Journalistische Evangelien ! Was kümmert mich die Wirklichkeit?!! Ich erzähle sie euch so, wie sie durch den Tunnel meiner gebastelten Story passt... Genau, Sahaf, irakischer Informationsminister. Ich gebe Sahafismus 63 auf der 100-stelligen Sahaf-Skala.
Es geht aber noch besser. In der wie immer von bärbeisiger Ahnungslosigkeit geprägten Diskussion im Spiegel-Forum verwies jemand auf eine Kolumne der Süddeutschen Zeitung vom 28.1. "Der Hype ums iPhone - Die Apple-Lüge". In seiner Einleitung predigt der Autor, Christian Kortmann: "Für neue Produkte von Apple machen Medien freiwillig Schleichwerbung - ein Symptom der global triumphierenden Marktwirtschaft, die zum sinnlosen Konsum animiert: Willkommen im iKapitalismus!"
Kortmann kommt nicht darüber hinweg, dass das iPhone nach seiner Präsentation auf der Macworld-Expo im Januar richtig große Presse bekam. Es "wunderte sich niemand, dass alle meinungsbildenden Medien darüber berichteten, als handele es sich um ein relevantes Ereignis". Völlig unverständlich für Kortmann, weil "es sich beim iPhone um ein normales Mobiltelefon ohne besondere technische Innovationen handelt". Sein offensichtliches Nicht-Erfassen des iPhones kulminiert in ein monumental apokalyptisches Untergangsszenario - der Einsturz traditioneller abendländischer Werte der Aufklärung: Womit die Popper in den 80er Jahren anfingen, bestimmte Produkte und Marken zu überhöhen, das hat sich inzwischen, globalisiert und universell, ausgebreitet. Die Konsumenten glorifizieren sich kritiklos in den von ihnen angebeteten Produkten. iKapitalismus eben.
Und Apple steht dabei an vorderster Front, als Gallionsfigur quasi-religiöser "Konsumentenmanipulation" : "Die Zeitspanne zwischen der Ankündigung des iPhone und seiner Verfügbarkeit erzeugt eine Periode der Erwartung und Vorfreude, die bekanntlich die größte Sehnsucht auslöst. Ein adventlich-nervöser Glanz kehrt in die Augen der Apple-Jünger zurück, den man noch aus der Kindheit kennt: An den Weihnachtsmann glauben sie zwar nicht mehr, dafür haben sie jetzt Steve Jobs!"
Wie gesagt, Kortmanns aufklärerische Predigt gegen die Verschwörung des iKapitalismus mit Apple als Ringleader fußt auf der Annahme, das iPhone sei ein stinknormales Telefon, so beliebig wie jedes andere auf dem Markt. Zieht man diesen Schlussstein heraus, fällt sein monumental-schwafeliges Gebäude zusammen wie ein Kartenhaus. Ich gebe ihm Sahafismus 87 auf der 100-stelligen Sahaf-Skala.
Tags:
Apfeltaste
Befehlstaste
Apple
Apple Berichterstattung
Journalismus
iTrolling
Sahafismus
iPhone
Und: Sahaf Skala eingeführt !!!
Erst kürzlich habe ich eine weit verbreitete Tradition von journalistischer Folklore skizziert, die ihre Apple Berichterstattung auf dem immer gleichen Paradigma der 'Applejünger' und ihrer quasi-religiösen/verblendeten Hörigkeit gegenüber der Computermarke aufbaut. Völlig uninteressant für mich ist dabei die Frage, ob diese, im Kern als journalistisches Getrolle daherkommende, - in ihrem Wesen - Verunglimpfung einer scheinbar homogenen Gruppe (hier Applekunden) irgendwo Substanz hat. Klar, ein paar smoking guns lassen sich immer finden. Aber welche Relevanz hat dieser unversteckte Vorwurf? In etwa die gleiche, wie wenn sich bestimmte Spezies ausdauernd an ihren immer gleichen Witzen über Ostdeutsche ergötzen. Oder über Bodybuilder. Nuff said.
Viel interessanter ist, ein paar Strahler auf die journalistischen Trollwerke zu richten.
Apple hat also das Wirrwarr um die Befehlstaste beendet. Und jemand startet einen Blog der, gleichsam als Kampagne, den Titel hat "Rettet die Apfel-Taste". Und bekommt (bis jetzt) 1244 Kommentare. Der zentrale Eintrag ist eher ironisch-lächelnd-nett getextet, traditionelle Aufrufe zu Massenkundgebungen imitierend: "Leistet Widerstand, jede Stimme für die Apfel-Taste zählt!
Wir wollen die Apfel-Taste zurück!
Diesmal bleiben wir standhaft, Steve, nicht wie damals beim Einschaltknopf auf den Tastaturen, den wir vermissen."
Die Argumente, im Blog Eintrag wie in den Kommentaren, klingen eher lustig. Ohne jegliches inhaltliches Dynamit werden auf 'Spirit' und Traditionen verwiesen: "Und während die Computerfirma aus Redmont weiter ihr Signum auf die Tastaturen dieser Welt bannt sollen wir ohne das Apfel-Symbol leben?"
Ich tippe eher auf einen freizeit-situationistischen Spontan-Gimmick, der - auch nicht schlecht ! - schon über 17000 Seitenaufrufe erzeugt hat. Und etwas Partystimmung. Man feiert sich selbst und hat Spaß dabei.
Der Spiegel wiederum kochte daraus eine mächtig dick dampfende Story. "Wütende Apple-Fans - 'Rettet die Apfeltaste' " Bildunterschrift unter einen alten "Apfel"-Taste: "Da glänzen des Applelaners Augen: Nur wo der Apfel prangt, tippt es sich so richtig apfelig" Nach dem journalistischen Trollwerk im Spiegel muss man eine vor-revolutionäre Stimmung im Apfel-Lager vermuten, vergleichbar der Lage in der Ukraine vor der Orangenen Revolution. Das zuvor von mir beschriebene Paradigma über die Apple-Jünger wurde hier noch einmal mächtig radikalisiert.
Journalistische Evangelien ! Was kümmert mich die Wirklichkeit?!! Ich erzähle sie euch so, wie sie durch den Tunnel meiner gebastelten Story passt... Genau, Sahaf, irakischer Informationsminister. Ich gebe Sahafismus 63 auf der 100-stelligen Sahaf-Skala.
Es geht aber noch besser. In der wie immer von bärbeisiger Ahnungslosigkeit geprägten Diskussion im Spiegel-Forum verwies jemand auf eine Kolumne der Süddeutschen Zeitung vom 28.1. "Der Hype ums iPhone - Die Apple-Lüge". In seiner Einleitung predigt der Autor, Christian Kortmann: "Für neue Produkte von Apple machen Medien freiwillig Schleichwerbung - ein Symptom der global triumphierenden Marktwirtschaft, die zum sinnlosen Konsum animiert: Willkommen im iKapitalismus!"
Kortmann kommt nicht darüber hinweg, dass das iPhone nach seiner Präsentation auf der Macworld-Expo im Januar richtig große Presse bekam. Es "wunderte sich niemand, dass alle meinungsbildenden Medien darüber berichteten, als handele es sich um ein relevantes Ereignis". Völlig unverständlich für Kortmann, weil "es sich beim iPhone um ein normales Mobiltelefon ohne besondere technische Innovationen handelt". Sein offensichtliches Nicht-Erfassen des iPhones kulminiert in ein monumental apokalyptisches Untergangsszenario - der Einsturz traditioneller abendländischer Werte der Aufklärung: Womit die Popper in den 80er Jahren anfingen, bestimmte Produkte und Marken zu überhöhen, das hat sich inzwischen, globalisiert und universell, ausgebreitet. Die Konsumenten glorifizieren sich kritiklos in den von ihnen angebeteten Produkten. iKapitalismus eben.
Und Apple steht dabei an vorderster Front, als Gallionsfigur quasi-religiöser "Konsumentenmanipulation" : "Die Zeitspanne zwischen der Ankündigung des iPhone und seiner Verfügbarkeit erzeugt eine Periode der Erwartung und Vorfreude, die bekanntlich die größte Sehnsucht auslöst. Ein adventlich-nervöser Glanz kehrt in die Augen der Apple-Jünger zurück, den man noch aus der Kindheit kennt: An den Weihnachtsmann glauben sie zwar nicht mehr, dafür haben sie jetzt Steve Jobs!"
Wie gesagt, Kortmanns aufklärerische Predigt gegen die Verschwörung des iKapitalismus mit Apple als Ringleader fußt auf der Annahme, das iPhone sei ein stinknormales Telefon, so beliebig wie jedes andere auf dem Markt. Zieht man diesen Schlussstein heraus, fällt sein monumental-schwafeliges Gebäude zusammen wie ein Kartenhaus. Ich gebe ihm Sahafismus 87 auf der 100-stelligen Sahaf-Skala.
Tags:
Apfeltaste
Befehlstaste
Apple
Apple Berichterstattung
Journalismus
iTrolling
Sahafismus
iPhone
Keine "Apfel"-Taste mehr - Apple entrümpelt Folklore

Gut so, jetzt ist Schluss mit dem Namenswirrwarr um Apple's Befehlstaste. Wenn ich Navigationsschritte durch ein Programm mittels Tastaturkürzel plattformübergreifend erkläre (ja, kommt recht häufig vor), reicht es jetzt, z.B. *CTRL/CMD + P* zu schreiben. Und jeder wird verstehen, dass ich die Mac und PC spezifischen Kürzel für 'Drucken' gemeint habe. Anstatt mich mit einem Unsinn der Sorte herumzuärgern, *(oder Apfeltaste)* hinzuzufügen.
Apple denkt hier ganz strategisch. Die Marktanteile steigen. Und natürlich will man Windows Kunden den Umstieg erleichtern. Hierbei spielt der weitverbreitete Ruf des Betriebssystems, klarer strukturiert und intuitiver erfassbar zu sein, eine ganz entscheidende Rolle. Eine "command" oder "Befehls"-Taste, die auch noch "Apfel"-Taste heißt, wirkt da nur verwirrend. Und hat zudem noch den Stallgeruch von Apple Folklore. Cupertino dürfte diese Entscheidung genau abgewogen haben und ich sehe keine Chancen für eine Revision.
Tags:
Apfeltaste
Befehlstaste
Apple
Apple Folklore
Tuesday, August 14, 2007
Sahafismus
Ein Wort, das (leider) nicht in den Sprachgebrauch eingegangen ist.
Er ist so gut wie vergessen. Muhammad al-Sahhaf, auch Sahaf oder Mohammed al-Sahaf, war einer der Medienstars im April 2003. Seine Presseerklärungen waren der unfassbare (bizarre) Höhepunkt aller Berichte über die Irak Invasion. Als irakischer Informationsminister hatte er wohl die Aufgabe, die tatsächliche militärische Lage (aus irakischer Sicht) zu beschönigen. Sahaf aber machte daraus quasi ein Gesamtkunstwerk, zumindest wenn man es aus Entertainment-Perspektive betrachtet.
Dazu gehörten seine konstant-störrischen, immer mit einem milden Lächeln orchestrierten Dementis von Meldungen von amerikanischen Erfolgen. Sein langsamer, von Denkpausen unterbrochener Sprachstil, immer kulminierend in quasi wie Paukenschlägen eingestreuten Abfälligkeiten ('Feiglinge', 'gejagte Ratten', 'verendende Schlangen') über die Amerikaner. Sowie seine ausgedachten, den Invasionstruppen zugedachten Grausamkeiten ('Gott grillt ihre Mägen in der Hölle') und drastischen Prophezeiungen ("Sie werden massenhaft Selbstmord begehen'), die aber eher surreal-drollig aufgenommen wurden, angesichts seiner eher jovialen Art und offensichtlich inszenierten Sturheit, ganz zum Trotz der tatsächlichen Lage. Der Mann redete blühenden Unsinn. Und man konnte sich an ihm nicht satt sehen. Großes, multi-dimensionales Entertainment.
Lässt man die direkt sinnfällige Operettenhaftigkeit, sein äußerliches Auftreten weg, dann hatte Sahaf immer noch jede Menge Potential für ein Paradigma: Was kümmert mich die Wirklichkeit?!! Ich erzähle sie euch so, wie sie durch den Tunnel UNSERER INTERESSEN passt. Zugegeben, in gewisser Weise machte er das Gleiche wie Tausende vor ihm: Propaganda, gezielte Desinformation. Sahafs Größe resultiert aus der neuen Qualität seiner Auftritte: er vereinigte Sturheit, Jovialität und unglaubliche Entspanntheit bei der Leugnung offensichtlicher Tatsachen. Inhaltliche Operettenhaftigkeit gepaart mit staatsmännischer Haltung.
Sahaf in der Tat erfand den Sahafismus.
Google Deutschland findet 3 Treffer für Sahafismus, darunter dieser Artikel, welcher mich zu meinem Eintrag inspirierte. Der Autor beschreibt Sahafismus als ein überall anzutreffendes Muster, das darin besteht, munter und unverdrossen Realitäten zu leugnen und zu ignorieren. "In den Führungsriegen abstürzender Börsenlieblinge sahen wir sahafsche Typen."
Google.com ist ergiebiger. "Sahafism" führt zu 118 Treffern, "al-Sahafism" zu 93. Und "al-Sahafian" immerhin noch zu 6 Einträgen. Auch dort wird Sahafismus vereinzelt als ein Muster diskutiert, das vom Ex-Informationsminister Iraks abstrahiert werden kann. Etwa wenn Michael Jackson behauptete, er hätte nur eine Schönheitsoperation gehabt.
Ich denke, Sahafismus sollte in den Sprachgebrauch eingehen. Es passt zu häufig. Und zu eindrucksvoll. Etwa wenn Steve Ballmer über das iPhone lacht. Oder wie Heinrich von Pierer über Siemens Telefonsparte zu schwärmen pflegte. Etc. Usw.
Tags:
Sahafismus
Sahaf
Sahhaf
Propaganda
Desinformation
Er ist so gut wie vergessen. Muhammad al-Sahhaf, auch Sahaf oder Mohammed al-Sahaf, war einer der Medienstars im April 2003. Seine Presseerklärungen waren der unfassbare (bizarre) Höhepunkt aller Berichte über die Irak Invasion. Als irakischer Informationsminister hatte er wohl die Aufgabe, die tatsächliche militärische Lage (aus irakischer Sicht) zu beschönigen. Sahaf aber machte daraus quasi ein Gesamtkunstwerk, zumindest wenn man es aus Entertainment-Perspektive betrachtet.
Dazu gehörten seine konstant-störrischen, immer mit einem milden Lächeln orchestrierten Dementis von Meldungen von amerikanischen Erfolgen. Sein langsamer, von Denkpausen unterbrochener Sprachstil, immer kulminierend in quasi wie Paukenschlägen eingestreuten Abfälligkeiten ('Feiglinge', 'gejagte Ratten', 'verendende Schlangen') über die Amerikaner. Sowie seine ausgedachten, den Invasionstruppen zugedachten Grausamkeiten ('Gott grillt ihre Mägen in der Hölle') und drastischen Prophezeiungen ("Sie werden massenhaft Selbstmord begehen'), die aber eher surreal-drollig aufgenommen wurden, angesichts seiner eher jovialen Art und offensichtlich inszenierten Sturheit, ganz zum Trotz der tatsächlichen Lage. Der Mann redete blühenden Unsinn. Und man konnte sich an ihm nicht satt sehen. Großes, multi-dimensionales Entertainment.
Lässt man die direkt sinnfällige Operettenhaftigkeit, sein äußerliches Auftreten weg, dann hatte Sahaf immer noch jede Menge Potential für ein Paradigma: Was kümmert mich die Wirklichkeit?!! Ich erzähle sie euch so, wie sie durch den Tunnel UNSERER INTERESSEN passt. Zugegeben, in gewisser Weise machte er das Gleiche wie Tausende vor ihm: Propaganda, gezielte Desinformation. Sahafs Größe resultiert aus der neuen Qualität seiner Auftritte: er vereinigte Sturheit, Jovialität und unglaubliche Entspanntheit bei der Leugnung offensichtlicher Tatsachen. Inhaltliche Operettenhaftigkeit gepaart mit staatsmännischer Haltung.
Sahaf in der Tat erfand den Sahafismus.
Google Deutschland findet 3 Treffer für Sahafismus, darunter dieser Artikel, welcher mich zu meinem Eintrag inspirierte. Der Autor beschreibt Sahafismus als ein überall anzutreffendes Muster, das darin besteht, munter und unverdrossen Realitäten zu leugnen und zu ignorieren. "In den Führungsriegen abstürzender Börsenlieblinge sahen wir sahafsche Typen."
Google.com ist ergiebiger. "Sahafism" führt zu 118 Treffern, "al-Sahafism" zu 93. Und "al-Sahafian" immerhin noch zu 6 Einträgen. Auch dort wird Sahafismus vereinzelt als ein Muster diskutiert, das vom Ex-Informationsminister Iraks abstrahiert werden kann. Etwa wenn Michael Jackson behauptete, er hätte nur eine Schönheitsoperation gehabt.
Ich denke, Sahafismus sollte in den Sprachgebrauch eingehen. Es passt zu häufig. Und zu eindrucksvoll. Etwa wenn Steve Ballmer über das iPhone lacht. Oder wie Heinrich von Pierer über Siemens Telefonsparte zu schwärmen pflegte. Etc. Usw.
Tags:
Sahafismus
Sahaf
Sahhaf
Propaganda
Desinformation
Monday, August 13, 2007
Rückzug von der Börse?
Gerüchte um Warner Music
Der Spiegel hat's berichtet. Davor die New York Times. Und ein 'Insider' sprach mit Reuters. Die seit Jahren stabil ungünstige Geschäftsentwicklung und die "negative Stimmung in der Branche" frustrierten die zunehmend die Geldgeber der Firma. Immerhin zog Warners Aktienkurs darauf etwas an.
Für das abgelaufene Quartal meldet Warner 17 Mio. Verlust und 2% Umsatzrückgang, auf jetzt 804 Mio. $. Keine dramatischen Zahlen, aber der seit Jahren anhaltende Trend setzt sich fort, wie bei den anderen Majors.
Negative Stimmung in der Branche? Maßlos übertriebene Meldungen über Verluste durch Tauschbörsen und ihre Benutzer, Klagewellen, ansonsten nichts die etablierten Strategien, die Major Labels scheinen immer noch nicht im neuen Jahrtausend angekommen zu sein.
Das Künstler Portfolio der deutschen Warner Filiale beginnt mit Barclay James Harvest. Kein Zufall, die Liste ist voll von Veteranen der letzen Jahrzehnte. Auch wenn das letzte Release von BJH ein vermutlich eher kostengünstig produziertes Live Album ist, das Setzen auf etablierte Namen ist extrem teuer. Wegen bizarr hohe Garantiesummen. Sony-BMG etwa schloss 2005 einen neuen (!) Vertrag mit Bruce Springsteen ab, der dem Altmeister 114 Mio. $ garantiert. Und: Jungs dieser Gilde produzieren nur in handverlesenen (teuren) Studios, wobei sie sich meist SEHR viel Zeit lassen.
Gleichzeitig verengen die Major den Markt, indem sie nur die alleroffensichtlichsten Zielgruppen hofieren - etwa die Teenies mit Casting Acts. Jene Nische dürfte sich - für sich - rechnen.
Daneben hat sich eine riesige Wüste ausgebreitet. Eines Marktes von potentiellen Käufern, der nicht beachtet wird. Klar, dieser ist differenzierter. Und ungleich heterogener, ihn zu bedienen verlangt etwas mehr Gespür und Analyse. Aber wenn ich konstant und über Jahre Geschäftseinbußen habe, muss ich mir halt etwas überlegen. Entweder verenge ich meine Marktpräsenz (wie zur Zeit zu beobachten), dann muss aber sinkende Umsätze in Kauf nehmen. Oder ich überlege mir etwas Neues. Für diese Option würde ich als erstes die Altstar Strategie mit ihren horrenden Kosten fallen lassen. Und dafür auf eine 'New Quality' Strategie setzen, mit Artists, die langfristiges Potential in ihrer jeweiligen Nische besitzen, sich aber günstiger produzieren lassen.
Tags:
Warner Music
Majors
Musikindustrie
Bruce Springsteen
Sony-BMG
Der Spiegel hat's berichtet. Davor die New York Times. Und ein 'Insider' sprach mit Reuters. Die seit Jahren stabil ungünstige Geschäftsentwicklung und die "negative Stimmung in der Branche" frustrierten die zunehmend die Geldgeber der Firma. Immerhin zog Warners Aktienkurs darauf etwas an.
Für das abgelaufene Quartal meldet Warner 17 Mio. Verlust und 2% Umsatzrückgang, auf jetzt 804 Mio. $. Keine dramatischen Zahlen, aber der seit Jahren anhaltende Trend setzt sich fort, wie bei den anderen Majors.
Negative Stimmung in der Branche? Maßlos übertriebene Meldungen über Verluste durch Tauschbörsen und ihre Benutzer, Klagewellen, ansonsten nichts die etablierten Strategien, die Major Labels scheinen immer noch nicht im neuen Jahrtausend angekommen zu sein.
Das Künstler Portfolio der deutschen Warner Filiale beginnt mit Barclay James Harvest. Kein Zufall, die Liste ist voll von Veteranen der letzen Jahrzehnte. Auch wenn das letzte Release von BJH ein vermutlich eher kostengünstig produziertes Live Album ist, das Setzen auf etablierte Namen ist extrem teuer. Wegen bizarr hohe Garantiesummen. Sony-BMG etwa schloss 2005 einen neuen (!) Vertrag mit Bruce Springsteen ab, der dem Altmeister 114 Mio. $ garantiert. Und: Jungs dieser Gilde produzieren nur in handverlesenen (teuren) Studios, wobei sie sich meist SEHR viel Zeit lassen.
Gleichzeitig verengen die Major den Markt, indem sie nur die alleroffensichtlichsten Zielgruppen hofieren - etwa die Teenies mit Casting Acts. Jene Nische dürfte sich - für sich - rechnen.
Daneben hat sich eine riesige Wüste ausgebreitet. Eines Marktes von potentiellen Käufern, der nicht beachtet wird. Klar, dieser ist differenzierter. Und ungleich heterogener, ihn zu bedienen verlangt etwas mehr Gespür und Analyse. Aber wenn ich konstant und über Jahre Geschäftseinbußen habe, muss ich mir halt etwas überlegen. Entweder verenge ich meine Marktpräsenz (wie zur Zeit zu beobachten), dann muss aber sinkende Umsätze in Kauf nehmen. Oder ich überlege mir etwas Neues. Für diese Option würde ich als erstes die Altstar Strategie mit ihren horrenden Kosten fallen lassen. Und dafür auf eine 'New Quality' Strategie setzen, mit Artists, die langfristiges Potential in ihrer jeweiligen Nische besitzen, sich aber günstiger produzieren lassen.
Tags:
Warner Music
Majors
Musikindustrie
Bruce Springsteen
Sony-BMG
Beeindruckend
Sammlung von YouTube Links, auch iPhone bezogen aber generell bemerkenswert
David Pogue ist Technologie Kolumnist, unter anderem für die New York Times. Darüberhinaus hat er einen stark musikbezogenen Hintergrund. Seine Vorschau zum iPhone ist Kult: beste Unterhaltung, bei gleichzeitig hohem Informationswert. Manchmal liebe ich amerikanischen Journalismus.
"My iPhone Diary":
Walter Mossberg, sicherlich nicht so telegen wie Pogue, ist vermutlich der einflussreichste Technologie Kolumnist in den USA. Insofern kommt seiner iPhone Besprechung größte Beachtung zu.
Schon älter, Interview mit Steve Jobs von vergangenem Januar, unmittelbar nach der ersten öffentlichen Präsentation des iPhones. Immer wieder bemerkenswert, wie kompakt 'His Steveness' seine Bulletins zu verkaufen weiß.
Im Vergleich dazu, zur selben Zeit aufgenommen, Microsoft Chef Steve Ballmer lacht sich fast schepp über das iPhone. Warum muss er so überziehen? Dass Apple der damals zeitgleich stattfindenden Consumer Electronics Show in Las Vegas die Show stahl, fiel wohl jedem auf. Dies anzuerkennen und eventuell kryptisch etwas hinzuzufügen in der Art wie 'Und deshalb arbeiten wir jetzt am nächsten Schritt' hätte ungleich überzeugender gewirkt.
Tags:
iphone
David Pogue
Walter Mossberg
Steve Jobs
Steve Ballmer
David Pogue ist Technologie Kolumnist, unter anderem für die New York Times. Darüberhinaus hat er einen stark musikbezogenen Hintergrund. Seine Vorschau zum iPhone ist Kult: beste Unterhaltung, bei gleichzeitig hohem Informationswert. Manchmal liebe ich amerikanischen Journalismus.
"My iPhone Diary":
Walter Mossberg, sicherlich nicht so telegen wie Pogue, ist vermutlich der einflussreichste Technologie Kolumnist in den USA. Insofern kommt seiner iPhone Besprechung größte Beachtung zu.
Schon älter, Interview mit Steve Jobs von vergangenem Januar, unmittelbar nach der ersten öffentlichen Präsentation des iPhones. Immer wieder bemerkenswert, wie kompakt 'His Steveness' seine Bulletins zu verkaufen weiß.
Im Vergleich dazu, zur selben Zeit aufgenommen, Microsoft Chef Steve Ballmer lacht sich fast schepp über das iPhone. Warum muss er so überziehen? Dass Apple der damals zeitgleich stattfindenden Consumer Electronics Show in Las Vegas die Show stahl, fiel wohl jedem auf. Dies anzuerkennen und eventuell kryptisch etwas hinzuzufügen in der Art wie 'Und deshalb arbeiten wir jetzt am nächsten Schritt' hätte ungleich überzeugender gewirkt.
Tags:
iphone
David Pogue
Walter Mossberg
Steve Jobs
Steve Ballmer
Wednesday, August 08, 2007
Temporärer Wahnsinn #2 + medialer Stumpf- und Unsinn
Apple Berichterstattung in Spiegel + Co
Der temporäre Wahnsinn hat sich gelegt. Ob Apple sich als große Nummer unter den Telefonherstellern etablieren kann, hängt von Unwägbarkeiten ab, etwa welche Profitabiliät der Markt ermöglichen wird. Leichter lässt sich vorhersagen, dass das iPhone künftige Modellentwicklungen kräftig durcheinander wirbeln und beeinflussen wird.
Die zurechtgebastelten Zerrbilder über Applekunden aber, wie sie regelmäßig in Spiegel + Co erschienen, verdienen einen weiteren Blick. Mag sein, dass man als schlecht bezahlter Schreiber 'sehen muss wo man bleibt' und deshalb jede Schublade von Vorurteilen und groben Versatzstücken gerade recht ist. Der Vorwurf, infantilen bis autistischen Blafasel verzapft zu haben, wird damit aber nicht entkräftet.
Stellt man die erprobte Wortwahl in eine Reihe (Applejünger - orgiastisch - iPhone Hysterie - Hype - schickes Design - verzückt - Applefans), wird klar, dass dem Leser ein bestimmtes Paradigma untergejubelt werden soll: die iPhone Käufer haben ihre Kaufentscheidung nicht knallhart kalkuliert, etwa wie ein Buchhalter streng die technischen Positiva und Negativa abgewogen. So listet der Spiegel auf, dass es alle iPhone Features (bis auf das Multitouch Display) schon in anderen Mobiltelefonen gibt (verschweigt aber, dass der Quantensprung gerade in der nicht mehr holprigen Integration dieser Features liegt). Daher seien die Käufer einer bewußtseinsumnebelnden Verblendung anheim gefallen, einer Mischung aus Tanz ums glänzende Design und Sektenzugehörigkeit. Was dann, als begleitendes Paradigma, noch mit geringschätzigen Vokabeln wie Lifestyle Produkt (also nichts für 'ernsthaft' Technikinteressierte) flankiert wird.
Ich schreibe hier deshalb "infantil bis autistisch", weil eine derart verblendete Option für bestimmte Produkte wie z. B. denen Apples (also mehr 'Schein als Sein') zu kaufen, wie sie hier nahegelegt wird, die Realität verbiegt. Natürlich spielen Design oder Image der Marke bei der Kaufentscheidung auch und mitunter eine Rolle, kaum aber eine entscheidende. Was hier suggeriert wird, nämlich dass Käufer sich blind von einem Design- oder Marketingstunt täuschen lassen, ist seinerseits verblendet. Oder autistisches Wunschdenken.
Apple
Apple Berichterstattung
iPhone
Journalisten
Der Spiegel
Der temporäre Wahnsinn hat sich gelegt. Ob Apple sich als große Nummer unter den Telefonherstellern etablieren kann, hängt von Unwägbarkeiten ab, etwa welche Profitabiliät der Markt ermöglichen wird. Leichter lässt sich vorhersagen, dass das iPhone künftige Modellentwicklungen kräftig durcheinander wirbeln und beeinflussen wird.
Die zurechtgebastelten Zerrbilder über Applekunden aber, wie sie regelmäßig in Spiegel + Co erschienen, verdienen einen weiteren Blick. Mag sein, dass man als schlecht bezahlter Schreiber 'sehen muss wo man bleibt' und deshalb jede Schublade von Vorurteilen und groben Versatzstücken gerade recht ist. Der Vorwurf, infantilen bis autistischen Blafasel verzapft zu haben, wird damit aber nicht entkräftet.
Stellt man die erprobte Wortwahl in eine Reihe (Applejünger - orgiastisch - iPhone Hysterie - Hype - schickes Design - verzückt - Applefans), wird klar, dass dem Leser ein bestimmtes Paradigma untergejubelt werden soll: die iPhone Käufer haben ihre Kaufentscheidung nicht knallhart kalkuliert, etwa wie ein Buchhalter streng die technischen Positiva und Negativa abgewogen. So listet der Spiegel auf, dass es alle iPhone Features (bis auf das Multitouch Display) schon in anderen Mobiltelefonen gibt (verschweigt aber, dass der Quantensprung gerade in der nicht mehr holprigen Integration dieser Features liegt). Daher seien die Käufer einer bewußtseinsumnebelnden Verblendung anheim gefallen, einer Mischung aus Tanz ums glänzende Design und Sektenzugehörigkeit. Was dann, als begleitendes Paradigma, noch mit geringschätzigen Vokabeln wie Lifestyle Produkt (also nichts für 'ernsthaft' Technikinteressierte) flankiert wird.
Ich schreibe hier deshalb "infantil bis autistisch", weil eine derart verblendete Option für bestimmte Produkte wie z. B. denen Apples (also mehr 'Schein als Sein') zu kaufen, wie sie hier nahegelegt wird, die Realität verbiegt. Natürlich spielen Design oder Image der Marke bei der Kaufentscheidung auch und mitunter eine Rolle, kaum aber eine entscheidende. Was hier suggeriert wird, nämlich dass Käufer sich blind von einem Design- oder Marketingstunt täuschen lassen, ist seinerseits verblendet. Oder autistisches Wunschdenken.
Apple
Apple Berichterstattung
iPhone
Journalisten
Der Spiegel
Saturday, June 30, 2007
Temporärer Wahnsinn (Teil 1)

Apple's iPhone - der Geist ist aus der Flasche
Fast 7 Monate gespannte Erwartung sind vorüber, das iPhone wird endlich verkauft. Und die Schlangen vor den Apple Stores und AT&T Filialen waren groß. Überall. Noch größer ist das Interesse, das die Medien dem Mobiltelefon der nächsten (oder gleich übernächsten) Generation widmen. Vermutlich hat gerade das publicityträchtigste Release eines Technikproduktes aller Zeiten stattgefunden.
Die Aufmerksamkeit, die Apple's (jetzt schon) Kultgerät durch ständige Berichterstattung in den Medien erfuhr, lässt sich (mindestens) mit einem Werbeaufwand von 400 Millionen Dollar gegenrechnen, sagt Professor David Joffie von der Harvard Business School. "Kein anderes Unternehmen hat jemals so viel Aufmerksamkeit für eine Produktvorstellung erhalten. Das ist beispiellos".
Die Stärken und Schwächen des Einführungsmodells wurden vielerorts detailliert besprochen, etwa von Walter Mossberg. Links zu weiteren Rezensionen hat AppleInsider. Die meisten (Feature-)Mängel dürften kurz- und mittelfristig nachgebessert werden. Über eines aber sind sich die meisten einig: Eine Verbindung von Mediaplayer, Smartphone und Internetnutzung in einem Gerät hat es in dieser Eleganz nicht einmal annähernd gegeben. Das betrifft sowohl Nutzungskomfort wie auch Styling des iPhones.
Für die Firma Apple insgesamt dürfte das Gerät einen weiteren immensen Schub bedeuten. Nicht nur hinsichtlich ihrer eigenen Erwartung, mit dem iPhone, neben dem iPod und dem traditionellen Computergeschäft, ein drittes Standbein aufzubauen. Oder der erwarteten 10 Millionen iPhone Verkäufe im nächsten Jahr. Vielmehr noch dürfte sich das Standing der Marke Apple wesentlich verbessern. Ihre Corporate Identity könnte, von der bisherigen Wahrnehmung als Hersteller eher exotischer und/oder alternativer Computer und Betriebssysteme, sich upgraden zu einer Firma, die für die 'ernsthaftere' und/oder konservativere Geschäftswelt zunehmend interessanter wird. Und daher, wenigstens mittelfristig, auch die Verkäufe von Apple Computern mit Mac OS X kräftig ankurbeln. Gerade vor dem Hintergrund, dass Microsoft's Windows Vista, obwohl erst vor kurzem auf den Markt gekommen, jetzt schon als Schnee von gestern wahrgenommen wird, und dies, obwohl der Umstieg von Windows XP auf Windows Vista noch immer problematisch ist, wegen fehlender Treiberunterstützung und vieler weiterer Inkompatibilitäten.
Tags:
Apple
Apple Computer
Corporate Identity
iPhone
Mac OS X
Publicity
Werbung
Windows Vista
Wednesday, June 27, 2007
Abgewickelt à la Obrigkeitsstaat

Baden-Württembergischer Innenminister lässt HipHop Video löschen wegen Gewaltverherrlichung
DEINELTAN, HipHop Combo aus Berlin-Wedding, hat RICHTIG Aufsehen erregt. Bis in deutsche Amtsstuben. Genauer gesagt das Video zu ihrem Song "Fickt die Cops"
Die tonlos-ungeübte Kommentarstimme am Anfang könnte auch aus einem Lehrfilm der Polizei stammen: Der Film zeigt das Berufsrisiko jeder Polizistin, jedes Polizisten im täglichen Einsatz für den Bürger... Danach ist Schluss mit Didaktik und Dokumentation - außer man meint, auf dem Lehrplan könnten auch Krassmaten stehen. Bilder von Polizeieinsätzen, dazwischen die Jungs von DEINELTAN, kool mit Sonnenbrille, auch im 'Einsatz', 1. Mai Randale, Stein-, Flaschenwürfe und brennende Autos sind zu sehen. Und die Rapper von DEINELtAN stilisieren abwechselnd ihre alles andere als de-eskalierende Vision über Kontakte mit der Polizei.
Fickt die Cops
Fickt die Cops
Fickt die fickt die Cops
Fickt die Cops
Bullenschweine
... ist der Refrain.
Vereinzelt werden Diskrimierungen und Schikanen eingestreut (einer der Rapper ist Schwarzer), im Vordergrund aber steht (Kampfansage 1. Mai) Militanz gegen Polizisten. Und mitunter geht es textlich voll zur Sache:
Ein guter Cop ist ein Cop
der sich den Kopf über den Asphalt drückt
Gib ihm mit dem Teleskop
(dazu angedeuteter Schlag mit einem Teleskop Schlagstock)
...
Ein Cop ist ein guter Cop
blutet er die Straße voll
Für Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech ein Straftatbestand: Gewaltverherrlichung. Das Video, das im Internet allgemein zugänglich ist und in zahlreichen Textpassagen die Polizei beleidigt und diffamiert, ist völlig indiskutabel und darf nicht hingenommen werden. Ich bin nicht gewillt, solche Auswüchse zu tolerieren. Er erstattet Anzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft Berlin. Und will auf eine Entfernung dieser Internetseite hinzuwirken. In einer späteren Meldung heißt es: Die Sperrung ist auf den Weg gebracht. Die Betreiber der Seite wurden abgemahnt.
Die Webseite der Combo ist nach wie vor online, das Video dort aber nicht mehr zu sehen. Wohl aber auf ihrer MySpace Seite oder auf YouTube.
Mag sein, dass die Denkweise eines wackeren Innenministers in juristischen Fragen sehr zugespitzt funktioniert. Aber immer noch geht es hier um eine Güterabwägung: Zwischen Verherrlichung von Gewalt und künstlerischer Freiheit. Und es stellt sich die Frage, mit welcher UNVERMITTELTHEIT staatliche Stellen missliebige Inhalte einfach ausschalten können. Inhalte, die etwa in Videospielen oder in Filmen (bisher) problemlos dargestellt werden können. Natürlich soll damit nicht gesagt werden, dass DEINELTAN Gewalt gegenüber der Polizei (wie das Kino) einfach nur DARSTELLEN. Die Band als solche präsentiert generell eine sehr militante Attitude. Letztendlich zeigt das aber immer noch, dass das Problem komplizierter ist und quasi in einem Daumen-nach-unten Handstreich einer obrigkeitsstaatlichen Maßnahme entsorgt werden darf.
DEINELTAN haben nicht den ersten Song diesen Kalibers vorgelegt. Einige Vorgänger wurden ausgesprochene Klassiker.. der Musikgeschichte! Erinnert sei nur an Bob Marley's "I shot the Sherrif", ursprünglich "I shot the Police" betitelt. Mit seiner Coverversion erreichte Eric Clapton die Spitze der US Charts. Oder an N.W.A mit ihrem 1988er Klassiker "Fuck The Police".
DEINELTAN dürfte über Herrn Rechs Aktion eher erfreut sein. Zwar ist dessen Abmahnung mit Sicherheit kostenbewehrt (vermutlich einige 1000 Euro wert). Bekanntheitsheitsgrad und Verkäufe der Marke DEINELTAN haben sich damit aber ver-xfacht. Was aber bleibt ist der beißende Geruch von Zensur, zumindest solange die staatliche Maßnahme nicht besser vermittelt wird. Gut, die Generalstaatsanwaltschaft wird den Fall wohl nicht im Handstreich entscheiden.
Tags:
DEINELTAN
Gewaltverherrlichung
Heribert Rech
HipHop
Musikvideo
Polizei
Zensur
Wednesday, June 20, 2007
Hauruck Browser
Apple veröffentlicht Safari für Windows (11. Juni)
Vor drei Wochen könnte diese Strategie-Sitzung in Cupertino stattgefunden haben.
SJ [Steve Jobs] (trommelt ungeduldig mit den Fingern auf dem Tisch): Wir brauchen noch etwas für meine Keynote auf der WWDC (WorldWideDeveloperConference) in drei Wochen. Einen Kracher !
A1 [Apple Mitarbeiter 1]: Wir können das iPhone noch mehr in den Mittelpunkt rücken...
SJ: iPhone? Seine Grundfeatures sind seit Januar bekannt, interessiert keinen mehr. Und ein paar Details legen wir zum Release am 29.6. nach. Das iPhone ist keine Schlagzeile, HIER UND JETZT !
A2: Wir haben doch die neuen Leopard Features (Mac OS 10.5, Veröffentlichung ist für kommenden Oktober geplant)... Der neue Finder, neue Desktop Funktionen, Quick Look, Spaces, ... lassen Windows noch älter aussehen.
SJ: Alles schön und gut. Nur... das bringt uns keine Schlagzeilen. Ist alles viel zu kompliziert, um daraus satte News zu machen.
... (ratloses Schweigen) ...
SJ: Okay, wenn sonst nichts kommt... dann geht's nur so: Wir portieren Safari auf Windows !!!
(entsetzte Blicke reihum)
Entwickler: In drei Wochen??? Das ist nicht zu schaffen.
SJ: Etwas mehr Entspannung, bitte ! Die Render Engine ist portable, was Sie machen müssen ist die Anpassung an all die Windows Scherereien. Das wird bis dahin nicht alles reibungslos funktionieren, ist mir schon klar. Aber wir brauchen die Schlagzeile: Apple bringt Safari-Browser für Windows !
Entwickler: Drei Wochen? Safari wird auf Windows so lausig laufen, nicht einmal Alpha Status würde ich dem Ding geben.
SJ: Egal. Sie tun was Ihnen möglich ist. Wir nennen das Release "Public Beta". Lieber ein Browser der gelegentlich abstürzt. Als lausige Presse... und unser Aktionkurs stürzt darauf in den Keller. (Klatscht in die Hände) Gut, an die Arbeit. Die Sitzung ist hiermit beendet.
Anzumerken wäre noch: Die ersten Berichte über Safari 3.0 für Windows waren in der Tat verheerend - schlechte Erkennung vieler Fonts oder Fettschrift (Überschriften werden oft gar nicht dargestellt, sogar auf populären Seiten wie Heise.de oder Spiegel.de), Zugriffe auf Bookmarks führen zum Absturz des Browsers, neben dessen genereller Crash-Freudigkeit usw. Allerdings treten diese Probleme verschärft in nicht-englischen Versionen auf. Letztere sind aber auch nicht ohne Probleme. Immerhin hat Apple gravierende Sicherheitsmängel innerhalb von zwei Tagen gepatcht.
Aber vermutlich wird Apple die Probleme im Laufe der Zeit beseitigen. Und der schlechte Einstand allmählich in Vergessenheit geraten. Immerhin hat die Firma mit iTunes, dem iPod und dem iPhone (welches im übrigen Safari als Browser nutzt) ultra-hippe Produkte (die erfolgreich Käufer auf Apples Computer Plattform ziehen), und deren Glanz könnte auf Safari abfärben. Außerdem dürfte Apple viel daran liegen, dass Safari stärker von Web-Designern berücksichtigt wird (unabdingbar für den iPhone Erfolg). Insofern war die Entscheidung, im Schnellschuss Safari für Windows zu veröffentlichen, vermutlich nicht die schlechteste. Von dem erwähnten Publicity Stunt ganz abgesehen.
Vor drei Wochen könnte diese Strategie-Sitzung in Cupertino stattgefunden haben.
SJ [Steve Jobs] (trommelt ungeduldig mit den Fingern auf dem Tisch): Wir brauchen noch etwas für meine Keynote auf der WWDC (WorldWideDeveloperConference) in drei Wochen. Einen Kracher !
A1 [Apple Mitarbeiter 1]: Wir können das iPhone noch mehr in den Mittelpunkt rücken...
SJ: iPhone? Seine Grundfeatures sind seit Januar bekannt, interessiert keinen mehr. Und ein paar Details legen wir zum Release am 29.6. nach. Das iPhone ist keine Schlagzeile, HIER UND JETZT !
A2: Wir haben doch die neuen Leopard Features (Mac OS 10.5, Veröffentlichung ist für kommenden Oktober geplant)... Der neue Finder, neue Desktop Funktionen, Quick Look, Spaces, ... lassen Windows noch älter aussehen.
SJ: Alles schön und gut. Nur... das bringt uns keine Schlagzeilen. Ist alles viel zu kompliziert, um daraus satte News zu machen.
... (ratloses Schweigen) ...
SJ: Okay, wenn sonst nichts kommt... dann geht's nur so: Wir portieren Safari auf Windows !!!
(entsetzte Blicke reihum)
Entwickler: In drei Wochen??? Das ist nicht zu schaffen.
SJ: Etwas mehr Entspannung, bitte ! Die Render Engine ist portable, was Sie machen müssen ist die Anpassung an all die Windows Scherereien. Das wird bis dahin nicht alles reibungslos funktionieren, ist mir schon klar. Aber wir brauchen die Schlagzeile: Apple bringt Safari-Browser für Windows !
Entwickler: Drei Wochen? Safari wird auf Windows so lausig laufen, nicht einmal Alpha Status würde ich dem Ding geben.
SJ: Egal. Sie tun was Ihnen möglich ist. Wir nennen das Release "Public Beta". Lieber ein Browser der gelegentlich abstürzt. Als lausige Presse... und unser Aktionkurs stürzt darauf in den Keller. (Klatscht in die Hände) Gut, an die Arbeit. Die Sitzung ist hiermit beendet.
Anzumerken wäre noch: Die ersten Berichte über Safari 3.0 für Windows waren in der Tat verheerend - schlechte Erkennung vieler Fonts oder Fettschrift (Überschriften werden oft gar nicht dargestellt, sogar auf populären Seiten wie Heise.de oder Spiegel.de), Zugriffe auf Bookmarks führen zum Absturz des Browsers, neben dessen genereller Crash-Freudigkeit usw. Allerdings treten diese Probleme verschärft in nicht-englischen Versionen auf. Letztere sind aber auch nicht ohne Probleme. Immerhin hat Apple gravierende Sicherheitsmängel innerhalb von zwei Tagen gepatcht.
Aber vermutlich wird Apple die Probleme im Laufe der Zeit beseitigen. Und der schlechte Einstand allmählich in Vergessenheit geraten. Immerhin hat die Firma mit iTunes, dem iPod und dem iPhone (welches im übrigen Safari als Browser nutzt) ultra-hippe Produkte (die erfolgreich Käufer auf Apples Computer Plattform ziehen), und deren Glanz könnte auf Safari abfärben. Außerdem dürfte Apple viel daran liegen, dass Safari stärker von Web-Designern berücksichtigt wird (unabdingbar für den iPhone Erfolg). Insofern war die Entscheidung, im Schnellschuss Safari für Windows zu veröffentlichen, vermutlich nicht die schlechteste. Von dem erwähnten Publicity Stunt ganz abgesehen.
Wednesday, June 06, 2007
Statistisches Gebaren
Zahlen zu Milliardenverlusten infolge von Produktpiraterie und Copyrightmissbrauch
Solche Meldungen klingen vertraut. Industriesprecher beklagen 3-stellige Milliardenverluste, weil geschützte Waren kopiert und mit dem Label des Originals versehen verkauft werden. Oder weil illegale Digitalprodukte über Filesharing im Internet umsonst zu bekommen sind.
Produktpiraterie ist auch ein Thema auf dem G8-Gipfel. Wie Heise berichtet, hat die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erste Details ihrer Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Produktpiraterie vorab präsentiert: Für das Jahr 2005 wird der erlittene Schaden weltweit auf rund 200 Milliarden Euro geschätzt. Darin nicht enthalten sind Einbußen durch Filesharing. Würden diese mitberechnet, vermutet die Studie vorsichtig, könnte die Summe mehrere hundert Milliarden Euro höher sein.
Interessant ist nun, dass ein OECD Sprecher gegenüber Heise die Schwächen solcher Statistiken einräumt, inklusive der eigenen. "Wenn wir ehrlich sind" ... "ist die aktuelle Größenordnung nicht wirklich feststellbar." Die Statistiken würden unterschiedlich geführt und die Bewertungsmaßstäbe seien unterschiedlich. So fußt die OECD Studie auf Angaben der Zollbehörden zu konfiszierten Fälschungen. Hierbei sei unklar, ob die Angaben zu deren Wert den Wert der Originalprodukte, den Verkaufswert der Fälschungen oder den von den Transporteuren deklarierten Wert als Maßstab nähmen. Die Zahlen der Industrie lägen überdies weitaus höher und niemand kenne deren Ansatz.
Die hier anklingende Skepsis am bisherigen statistischen Gebaren ist unverkennbar. Möglicherweise dämmerte den Autoren der Studie, dass die bisherige Praxis, immer horrendere Zahlen zu publizieren, kontraproduktiv sein könnte. Dass nämlich beim geneigten Leser mit der Inflation der vermeldeten Schadensummen proportional dessen Skepsis und Nicht-Akzeptanz steigt.
Was hier nicht anklingt, ist das nach wie vor nicht ausgeräumte Dilemma der Pseudo-Objektivität solcher Statistiken. Ein paar Aspekte hierzu nur: Dass geklonte Waren die Produzenten der Originalprodukte 'irgendwie' schädigt, ist unbestritten. Aber: Wenn jemand eine Rolex 'Made in Tailand' für €10 kauft, weiss er, dass er eine Fälschung vor sich hat. Und kauft diese kaum ANSTELLE einer echten Rolex. Bei kopierter Markenbekleidung entsteht vermutlich ein Schaden. Fraglich bleibt immer noch, ob der entgangene Umsatz, sofern keine Klon-Produkte verfügbar wären, tatsächlich IN VOLLEM UMFANG den Originalherstellern zugeflossen wäre. Vermutlich nicht, billig kaufen ist populär. Noch deutlicher wird das Problem hinsichtlich pharmazeutischer Fälschungen, ein großer Markt insbesondere in Afrika. Warum? Originalprodukte sprengen die dortige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Also auch hier ist der Wert der in Umlauf befindlichen oder umgesetzten gefälschten Produkte nur ein vager Indikator für die Einbußen der Originale.
Anders ausgedrückt: Der TATSÄCHLICHE Schaden der legitimen Hersteller bemisst sich allein an AUSGEBLIEBENEN VERKÄUFEN infolge verfügbarer Kopien, nicht aber an der ABSOLUTEN Zahl letzterer im Umlauf. Natürlich ist das keine einfache statistische Aufgabe. Darauf aber zu verzichten bringt eine derart große Unschärfe in die Zahlen, welche entsprechende Statistik wertlos erscheinen ließe.
Bis hierhin war nur von Piraterie an physikalisch existierenden Produkten die Rede. Eine noch brisantere Dimension gewinnt das statistische Problem, wenn es um die massenhafte Vervielfältigung von digitalen Medien (Software, Video, Musik) über das Internet geht. Klar ist, dass die meisten Downloads aus FLACHER Sammelleidenschaft gemacht werden. In einem gewissen Maß wird gesammelt was verfügbar ist, aber alternativ zu und nicht als Ersatz für tatsächliche Käufe. Und es scheint keine gesicherten Zahlen darüber zu geben, in welchem Verhältnis illegale Downloads tatsächlich zu Verkaufseinbußen führen. Die Industrievertreter andererseits rechnen jeden einzelnen Download mit einem entgangenen Verkauf gegen. Und kommen so natürlich zu horrenden Zahlen, schiere Demagogie ! Der halbwegs geneigte Leser fühlt sich von solchen Phantasiezahlen schlichtweg verarscht und kann sich kaum eine noch arrogantere Strategie vorstellen.
Solche Meldungen klingen vertraut. Industriesprecher beklagen 3-stellige Milliardenverluste, weil geschützte Waren kopiert und mit dem Label des Originals versehen verkauft werden. Oder weil illegale Digitalprodukte über Filesharing im Internet umsonst zu bekommen sind.
Produktpiraterie ist auch ein Thema auf dem G8-Gipfel. Wie Heise berichtet, hat die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erste Details ihrer Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Produktpiraterie vorab präsentiert: Für das Jahr 2005 wird der erlittene Schaden weltweit auf rund 200 Milliarden Euro geschätzt. Darin nicht enthalten sind Einbußen durch Filesharing. Würden diese mitberechnet, vermutet die Studie vorsichtig, könnte die Summe mehrere hundert Milliarden Euro höher sein.
Interessant ist nun, dass ein OECD Sprecher gegenüber Heise die Schwächen solcher Statistiken einräumt, inklusive der eigenen. "Wenn wir ehrlich sind" ... "ist die aktuelle Größenordnung nicht wirklich feststellbar." Die Statistiken würden unterschiedlich geführt und die Bewertungsmaßstäbe seien unterschiedlich. So fußt die OECD Studie auf Angaben der Zollbehörden zu konfiszierten Fälschungen. Hierbei sei unklar, ob die Angaben zu deren Wert den Wert der Originalprodukte, den Verkaufswert der Fälschungen oder den von den Transporteuren deklarierten Wert als Maßstab nähmen. Die Zahlen der Industrie lägen überdies weitaus höher und niemand kenne deren Ansatz.
Die hier anklingende Skepsis am bisherigen statistischen Gebaren ist unverkennbar. Möglicherweise dämmerte den Autoren der Studie, dass die bisherige Praxis, immer horrendere Zahlen zu publizieren, kontraproduktiv sein könnte. Dass nämlich beim geneigten Leser mit der Inflation der vermeldeten Schadensummen proportional dessen Skepsis und Nicht-Akzeptanz steigt.
Was hier nicht anklingt, ist das nach wie vor nicht ausgeräumte Dilemma der Pseudo-Objektivität solcher Statistiken. Ein paar Aspekte hierzu nur: Dass geklonte Waren die Produzenten der Originalprodukte 'irgendwie' schädigt, ist unbestritten. Aber: Wenn jemand eine Rolex 'Made in Tailand' für €10 kauft, weiss er, dass er eine Fälschung vor sich hat. Und kauft diese kaum ANSTELLE einer echten Rolex. Bei kopierter Markenbekleidung entsteht vermutlich ein Schaden. Fraglich bleibt immer noch, ob der entgangene Umsatz, sofern keine Klon-Produkte verfügbar wären, tatsächlich IN VOLLEM UMFANG den Originalherstellern zugeflossen wäre. Vermutlich nicht, billig kaufen ist populär. Noch deutlicher wird das Problem hinsichtlich pharmazeutischer Fälschungen, ein großer Markt insbesondere in Afrika. Warum? Originalprodukte sprengen die dortige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Also auch hier ist der Wert der in Umlauf befindlichen oder umgesetzten gefälschten Produkte nur ein vager Indikator für die Einbußen der Originale.
Anders ausgedrückt: Der TATSÄCHLICHE Schaden der legitimen Hersteller bemisst sich allein an AUSGEBLIEBENEN VERKÄUFEN infolge verfügbarer Kopien, nicht aber an der ABSOLUTEN Zahl letzterer im Umlauf. Natürlich ist das keine einfache statistische Aufgabe. Darauf aber zu verzichten bringt eine derart große Unschärfe in die Zahlen, welche entsprechende Statistik wertlos erscheinen ließe.
Bis hierhin war nur von Piraterie an physikalisch existierenden Produkten die Rede. Eine noch brisantere Dimension gewinnt das statistische Problem, wenn es um die massenhafte Vervielfältigung von digitalen Medien (Software, Video, Musik) über das Internet geht. Klar ist, dass die meisten Downloads aus FLACHER Sammelleidenschaft gemacht werden. In einem gewissen Maß wird gesammelt was verfügbar ist, aber alternativ zu und nicht als Ersatz für tatsächliche Käufe. Und es scheint keine gesicherten Zahlen darüber zu geben, in welchem Verhältnis illegale Downloads tatsächlich zu Verkaufseinbußen führen. Die Industrievertreter andererseits rechnen jeden einzelnen Download mit einem entgangenen Verkauf gegen. Und kommen so natürlich zu horrenden Zahlen, schiere Demagogie ! Der halbwegs geneigte Leser fühlt sich von solchen Phantasiezahlen schlichtweg verarscht und kann sich kaum eine noch arrogantere Strategie vorstellen.
Sunday, January 14, 2007
Chinese court issues a summons on German blogger
As a one-off, this is an English version digest of my article below. Originally i created it as a submission to Slashdot but they never published it. I don't know very much about Slashdot's policy in that respect but would assume that my article just got lost in the 100s of submissions they're receiving every day. Respectively they failed to realize the relevance of the story. In my humble opinion however this is indeed a very interesting story so i'm making it available for the English speaking world as well.
Chinese authorities can threaten international bloggers? You wouldn't think so? Well, here's some news.
German newsmagazin Der Spiegel had a report last october 19th about MAN, a German bus maker, sueing the Chinese company Zonda for copying their design of a luxury coach. In his autoregional.de blog Berlin based Ron Aron Hillmann quoted parts of the Spiegel report. As his sole personal contribution he changed Spiegel's introductory phrase "Chinese racketeers are shamelessly copying international name brand products" to "This example shows how fast and ruthless Chinese are when it comes to copying."
Now Zhongwei Bus (Zonda is their daughter company) filed a lawsuit against Hillmann in Yancheng, China, served through a German court (including a German translation). Hillmann is summoned to pull back his libels and to appear at the trial in Yangcheng on july 17th. His attorney says there's no way to just ignore the case because then Hillmann would get sentenced in absentia - and ordered to pay damages etc which the Chinese authorities would collect through their German counterparts. Apparently there do exist respective international treaties, at least between China and Germany.
Spiegel has a detailed story (in German) on the Hillmann case.
Chinese authorities can threaten international bloggers? You wouldn't think so? Well, here's some news.
German newsmagazin Der Spiegel had a report last october 19th about MAN, a German bus maker, sueing the Chinese company Zonda for copying their design of a luxury coach. In his autoregional.de blog Berlin based Ron Aron Hillmann quoted parts of the Spiegel report. As his sole personal contribution he changed Spiegel's introductory phrase "Chinese racketeers are shamelessly copying international name brand products" to "This example shows how fast and ruthless Chinese are when it comes to copying."
Now Zhongwei Bus (Zonda is their daughter company) filed a lawsuit against Hillmann in Yancheng, China, served through a German court (including a German translation). Hillmann is summoned to pull back his libels and to appear at the trial in Yangcheng on july 17th. His attorney says there's no way to just ignore the case because then Hillmann would get sentenced in absentia - and ordered to pay damages etc which the Chinese authorities would collect through their German counterparts. Apparently there do exist respective international treaties, at least between China and Germany.
Spiegel has a detailed story (in German) on the Hillmann case.
Subscribe to:
Comments (Atom)