Saturday, June 30, 2007

Temporärer Wahnsinn (Teil 1)


Apple's iPhone - der Geist ist aus der Flasche

Fast 7 Monate gespannte Erwartung sind vorüber, das iPhone wird endlich verkauft. Und die Schlangen vor den Apple Stores und AT&T Filialen waren groß. Überall. Noch größer ist das Interesse, das die Medien dem Mobiltelefon der nächsten (oder gleich übernächsten) Generation widmen. Vermutlich hat gerade das publicityträchtigste Release eines Technikproduktes aller Zeiten stattgefunden.

Die Aufmerksamkeit, die Apple's (jetzt schon) Kultgerät durch ständige Berichterstattung in den Medien erfuhr, lässt sich (mindestens) mit einem Werbeaufwand von 400 Millionen Dollar gegenrechnen, sagt Professor David Joffie von der Harvard Business School. "Kein anderes Unternehmen hat jemals so viel Aufmerksamkeit für eine Produktvorstellung erhalten. Das ist beispiellos".

Die Stärken und Schwächen des Einführungsmodells wurden vielerorts detailliert besprochen, etwa von Walter Mossberg. Links zu weiteren Rezensionen hat AppleInsider. Die meisten (Feature-)Mängel dürften kurz- und mittelfristig nachgebessert werden. Über eines aber sind sich die meisten einig: Eine Verbindung von Mediaplayer, Smartphone und Internetnutzung in einem Gerät hat es in dieser Eleganz nicht einmal annähernd gegeben. Das betrifft sowohl Nutzungskomfort wie auch Styling des iPhones.

Für die Firma Apple insgesamt dürfte das Gerät einen weiteren immensen Schub bedeuten. Nicht nur hinsichtlich ihrer eigenen Erwartung, mit dem iPhone, neben dem iPod und dem traditionellen Computergeschäft, ein drittes Standbein aufzubauen. Oder der erwarteten 10 Millionen iPhone Verkäufe im nächsten Jahr. Vielmehr noch dürfte sich das Standing der Marke Apple wesentlich verbessern. Ihre Corporate Identity könnte, von der bisherigen Wahrnehmung als Hersteller eher exotischer und/oder alternativer Computer und Betriebssysteme, sich upgraden zu einer Firma, die für die 'ernsthaftere' und/oder konservativere Geschäftswelt zunehmend interessanter wird. Und daher, wenigstens mittelfristig, auch die Verkäufe von Apple Computern mit Mac OS X kräftig ankurbeln. Gerade vor dem Hintergrund, dass Microsoft's Windows Vista, obwohl erst vor kurzem auf den Markt gekommen, jetzt schon als Schnee von gestern wahrgenommen wird, und dies, obwohl der Umstieg von Windows XP auf Windows Vista noch immer problematisch ist, wegen fehlender Treiberunterstützung und vieler weiterer Inkompatibilitäten.

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Wednesday, June 27, 2007

Abgewickelt à la Obrigkeitsstaat


Baden-Württembergischer Innenminister lässt HipHop Video löschen wegen Gewaltverherrlichung

DEINELTAN, HipHop Combo aus Berlin-Wedding, hat RICHTIG Aufsehen erregt. Bis in deutsche Amtsstuben. Genauer gesagt das Video zu ihrem Song "Fickt die Cops"

Die tonlos-ungeübte Kommentarstimme am Anfang könnte auch aus einem Lehrfilm der Polizei stammen: Der Film zeigt das Berufsrisiko jeder Polizistin, jedes Polizisten im täglichen Einsatz für den Bürger... Danach ist Schluss mit Didaktik und Dokumentation - außer man meint, auf dem Lehrplan könnten auch Krassmaten stehen. Bilder von Polizeieinsätzen, dazwischen die Jungs von DEINELTAN, kool mit Sonnenbrille, auch im 'Einsatz', 1. Mai Randale, Stein-, Flaschenwürfe und brennende Autos sind zu sehen. Und die Rapper von DEINELtAN stilisieren abwechselnd ihre alles andere als de-eskalierende Vision über Kontakte mit der Polizei.
Fickt die Cops
Fickt die Cops

Fickt die fickt die Cops
Fickt die Cops

Bullenschweine

... ist der Refrain.

Vereinzelt werden Diskrimierungen und Schikanen eingestreut (einer der Rapper ist Schwarzer), im Vordergrund aber steht (Kampfansage 1. Mai) Militanz gegen Polizisten. Und mitunter geht es textlich voll zur Sache:
Ein guter Cop ist ein Cop
der sich den Kopf über den Asphalt drückt

Gib ihm mit dem Teleskop

(dazu angedeuteter Schlag mit einem Teleskop Schlagstock)

...

Ein Cop ist ein guter Cop

blutet er die Straße voll

Für Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech ein Straftatbestand: Gewaltverherrlichung. Das Video, das im Internet allgemein zugänglich ist und in zahlreichen Textpassagen die Polizei beleidigt und diffamiert, ist völlig indiskutabel und darf nicht hingenommen werden. Ich bin nicht gewillt, solche Auswüchse zu tolerieren. Er erstattet Anzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft Berlin. Und will auf eine Entfernung dieser Internetseite hinzuwirken. In einer späteren Meldung heißt es: Die Sperrung ist auf den Weg gebracht. Die Betreiber der Seite wurden abgemahnt.

Die Webseite der Combo ist nach wie vor online, das Video dort aber nicht mehr zu sehen. Wohl aber auf ihrer MySpace Seite oder auf YouTube.

Mag sein, dass die Denkweise eines wackeren Innenministers in juristischen Fragen sehr zugespitzt funktioniert. Aber immer noch geht es hier um eine Güterabwägung: Zwischen Verherrlichung von Gewalt und künstlerischer Freiheit. Und es stellt sich die Frage, mit welcher UNVERMITTELTHEIT staatliche Stellen missliebige Inhalte einfach ausschalten können. Inhalte, die etwa in Videospielen oder in Filmen (bisher) problemlos dargestellt werden können. Natürlich soll damit nicht gesagt werden, dass DEINELTAN Gewalt gegenüber der Polizei (wie das Kino) einfach nur DARSTELLEN. Die Band als solche präsentiert generell eine sehr militante Attitude. Letztendlich zeigt das aber immer noch, dass das Problem komplizierter ist und quasi in einem Daumen-nach-unten Handstreich einer obrigkeitsstaatlichen Maßnahme entsorgt werden darf.

DEINELTAN haben nicht den ersten Song diesen Kalibers vorgelegt. Einige Vorgänger wurden ausgesprochene Klassiker.. der Musikgeschichte! Erinnert sei nur an Bob Marley's "I shot the Sherrif", ursprünglich "I shot the Police" betitelt. Mit seiner Coverversion erreichte Eric Clapton die Spitze der US Charts. Oder an N.W.A mit ihrem 1988er Klassiker "Fuck The Police".

DEINELTAN dürfte über Herrn Rechs Aktion eher erfreut sein. Zwar ist dessen Abmahnung mit Sicherheit kostenbewehrt (vermutlich einige 1000 Euro wert). Bekanntheitsheitsgrad und Verkäufe der Marke DEINELTAN haben sich damit aber ver-xfacht. Was aber bleibt ist der beißende Geruch von Zensur, zumindest solange die staatliche Maßnahme nicht besser vermittelt wird. Gut, die Generalstaatsanwaltschaft wird den Fall wohl nicht im Handstreich entscheiden.

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Wednesday, June 20, 2007

Hauruck Browser

Apple veröffentlicht Safari für Windows (11. Juni)

Vor drei Wochen könnte diese Strategie-Sitzung in Cupertino stattgefunden haben.

SJ [Steve Jobs] (trommelt ungeduldig mit den Fingern auf dem Tisch): Wir brauchen noch etwas für meine Keynote auf der WWDC (WorldWideDeveloperConference) in drei Wochen. Einen Kracher !
A1 [Apple Mitarbeiter 1]: Wir können das iPhone noch mehr in den Mittelpunkt rücken...
SJ: iPhone? Seine Grundfeatures sind seit Januar bekannt, interessiert keinen mehr. Und ein paar Details legen wir zum Release am 29.6. nach. Das iPhone ist keine Schlagzeile, HIER UND JETZT !
A2: Wir haben doch die neuen Leopard Features (Mac OS 10.5, Veröffentlichung ist für kommenden Oktober geplant)... Der neue Finder, neue Desktop Funktionen, Quick Look, Spaces, ... lassen Windows noch älter aussehen.
SJ: Alles schön und gut. Nur... das bringt uns keine Schlagzeilen. Ist alles viel zu kompliziert, um daraus satte News zu machen.
... (ratloses Schweigen) ...
SJ: Okay, wenn sonst nichts kommt... dann geht's nur so: Wir portieren Safari auf Windows !!!
(entsetzte Blicke reihum)
Entwickler: In drei Wochen??? Das ist nicht zu schaffen.
SJ: Etwas mehr Entspannung, bitte ! Die Render Engine ist portable, was Sie machen müssen ist die Anpassung an all die Windows Scherereien. Das wird bis dahin nicht alles reibungslos funktionieren, ist mir schon klar. Aber wir brauchen die Schlagzeile: Apple bringt Safari-Browser für Windows !
Entwickler: Drei Wochen? Safari wird auf Windows so lausig laufen, nicht einmal Alpha Status würde ich dem Ding geben.
SJ: Egal. Sie tun was Ihnen möglich ist. Wir nennen das Release "Public Beta". Lieber ein Browser der gelegentlich abstürzt. Als lausige Presse... und unser Aktionkurs stürzt darauf in den Keller. (Klatscht in die Hände) Gut, an die Arbeit. Die Sitzung ist hiermit beendet.

Anzumerken wäre noch: Die ersten Berichte über Safari 3.0 für Windows waren in der Tat verheerend - schlechte Erkennung vieler Fonts oder Fettschrift (Überschriften werden oft gar nicht dargestellt, sogar auf populären Seiten wie Heise.de oder Spiegel.de), Zugriffe auf Bookmarks führen zum Absturz des Browsers, neben dessen genereller Crash-Freudigkeit usw. Allerdings treten diese Probleme verschärft in nicht-englischen Versionen auf. Letztere sind aber auch nicht ohne Probleme. Immerhin hat Apple gravierende Sicherheitsmängel innerhalb von zwei Tagen gepatcht.

Aber vermutlich wird Apple die Probleme im Laufe der Zeit beseitigen. Und der schlechte Einstand allmählich in Vergessenheit geraten. Immerhin hat die Firma mit iTunes, dem iPod und dem iPhone (welches im übrigen Safari als Browser nutzt) ultra-hippe Produkte (die erfolgreich Käufer auf Apples Computer Plattform ziehen), und deren Glanz könnte auf Safari abfärben. Außerdem dürfte Apple viel daran liegen, dass Safari stärker von Web-Designern berücksichtigt wird (unabdingbar für den iPhone Erfolg). Insofern war die Entscheidung, im Schnellschuss Safari für Windows zu veröffentlichen, vermutlich nicht die schlechteste. Von dem erwähnten Publicity Stunt ganz abgesehen.

Wednesday, June 06, 2007

Statistisches Gebaren

Zahlen zu Milliardenverlusten infolge von Produktpiraterie und Copyrightmissbrauch

Solche Meldungen klingen vertraut. Industriesprecher beklagen 3-stellige Milliardenverluste, weil geschützte Waren kopiert und mit dem Label des Originals versehen verkauft werden. Oder weil illegale Digitalprodukte über Filesharing im Internet umsonst zu bekommen sind.

Produktpiraterie ist auch ein Thema auf dem G8-Gipfel. Wie Heise berichtet, hat die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erste Details ihrer Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Produktpiraterie vorab präsentiert: Für das Jahr 2005 wird der erlittene Schaden weltweit auf rund 200 Milliarden Euro geschätzt. Darin nicht enthalten sind Einbußen durch Filesharing. Würden diese mitberechnet, vermutet die Studie vorsichtig, könnte die Summe mehrere hundert Milliarden Euro höher sein.

Interessant ist nun, dass ein OECD Sprecher gegenüber Heise die Schwächen solcher Statistiken einräumt, inklusive der eigenen. "Wenn wir ehrlich sind" ... "ist die aktuelle Größenordnung nicht wirklich feststellbar." Die Statistiken würden unterschiedlich geführt und die Bewertungsmaßstäbe seien unterschiedlich. So fußt die OECD Studie auf Angaben der Zollbehörden zu konfiszierten Fälschungen. Hierbei sei unklar, ob die Angaben zu deren Wert den Wert der Originalprodukte, den Verkaufswert der Fälschungen oder den von den Transporteuren deklarierten Wert als Maßstab nähmen. Die Zahlen der Industrie lägen überdies weitaus höher und niemand kenne deren Ansatz.

Die hier anklingende Skepsis am bisherigen statistischen Gebaren ist unverkennbar. Möglicherweise dämmerte den Autoren der Studie, dass die bisherige Praxis, immer horrendere Zahlen zu publizieren, kontraproduktiv sein könnte. Dass nämlich beim geneigten Leser mit der Inflation der vermeldeten Schadensummen proportional dessen Skepsis und Nicht-Akzeptanz steigt.

Was hier nicht anklingt, ist das nach wie vor nicht ausgeräumte Dilemma der Pseudo-Objektivität solcher Statistiken. Ein paar Aspekte hierzu nur: Dass geklonte Waren die Produzenten der Originalprodukte 'irgendwie' schädigt, ist unbestritten. Aber: Wenn jemand eine Rolex 'Made in Tailand' für €10 kauft, weiss er, dass er eine Fälschung vor sich hat. Und kauft diese kaum ANSTELLE einer echten Rolex. Bei kopierter Markenbekleidung entsteht vermutlich ein Schaden. Fraglich bleibt immer noch, ob der entgangene Umsatz, sofern keine Klon-Produkte verfügbar wären, tatsächlich IN VOLLEM UMFANG den Originalherstellern zugeflossen wäre. Vermutlich nicht, billig kaufen ist populär. Noch deutlicher wird das Problem hinsichtlich pharmazeutischer Fälschungen, ein großer Markt insbesondere in Afrika. Warum? Originalprodukte sprengen die dortige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Also auch hier ist der Wert der in Umlauf befindlichen oder umgesetzten gefälschten Produkte nur ein vager Indikator für die Einbußen der Originale.

Anders ausgedrückt: Der TATSÄCHLICHE Schaden der legitimen Hersteller bemisst sich allein an AUSGEBLIEBENEN VERKÄUFEN infolge verfügbarer Kopien, nicht aber an der ABSOLUTEN Zahl letzterer im Umlauf. Natürlich ist das keine einfache statistische Aufgabe. Darauf aber zu verzichten bringt eine derart große Unschärfe in die Zahlen, welche entsprechende Statistik wertlos erscheinen ließe.

Bis hierhin war nur von Piraterie an physikalisch existierenden Produkten die Rede. Eine noch brisantere Dimension gewinnt das statistische Problem, wenn es um die massenhafte Vervielfältigung von digitalen Medien (Software, Video, Musik) über das Internet geht. Klar ist, dass die meisten Downloads aus FLACHER Sammelleidenschaft gemacht werden. In einem gewissen Maß wird gesammelt was verfügbar ist, aber alternativ zu und nicht als Ersatz für tatsächliche Käufe. Und es scheint keine gesicherten Zahlen darüber zu geben, in welchem Verhältnis illegale Downloads tatsächlich zu Verkaufseinbußen führen. Die Industrievertreter andererseits rechnen jeden einzelnen Download mit einem entgangenen Verkauf gegen. Und kommen so natürlich zu horrenden Zahlen, schiere Demagogie ! Der halbwegs geneigte Leser fühlt sich von solchen Phantasiezahlen schlichtweg verarscht und kann sich kaum eine noch arrogantere Strategie vorstellen.

Sunday, January 14, 2007

Chinese court issues a summons on German blogger

As a one-off, this is an English version digest of my article below. Originally i created it as a submission to Slashdot but they never published it. I don't know very much about Slashdot's policy in that respect but would assume that my article just got lost in the 100s of submissions they're receiving every day. Respectively they failed to realize the relevance of the story. In my humble opinion however this is indeed a very interesting story so i'm making it available for the English speaking world as well.

Chinese authorities can threaten international bloggers? You wouldn't think so? Well, here's some news.

German newsmagazin Der Spiegel had a report last october 19th about MAN, a German bus maker, sueing the Chinese company Zonda for copying their design of a luxury coach. In his autoregional.de blog Berlin based Ron Aron Hillmann quoted parts of the Spiegel report. As his sole personal contribution he changed Spiegel's introductory phrase "Chinese racketeers are shamelessly copying international name brand products" to "This example shows how fast and ruthless Chinese are when it comes to copying."

Now Zhongwei Bus (Zonda is their daughter company) filed a lawsuit against Hillmann in Yancheng, China, served through a German court (including a German translation). Hillmann is summoned to pull back his libels and to appear at the trial in Yangcheng on july 17th. His attorney says there's no way to just ignore the case because then Hillmann would get sentenced in absentia - and ordered to pay damages etc which the Chinese authorities would collect through their German counterparts. Apparently there do exist respective international treaties, at least between China and Germany.

Spiegel has a detailed story (in German) on the Hillmann case.

Tuesday, January 09, 2007

Der lange Arm Chinas

Berliner Blogger ins Reich der Mitte vorgeladen


Ein chinesischer Blogger berichtet ausführlich, wie in seinem Land ausländische Produkte kopiert werden. Kann man sich kaum vorstellen. Schließlich ist dieser Blogger nicht ... freiheitsmüde. Ein deutscher Blogger schildert Beispiele, wie chinesische Firmen kopieren - reist niemanden vom Hocker und hat man schon öfter gehört. Und sollte folgenlos bleiben, würde man meinen. Der Berliner Blogger Ron Aron Hillmann machte eine andere, unangenehme Erfahrung.

Am 19. Oktober 2006 berichtete der Spiegel in seiner Online-Ausgabe über eine Klage, die MAN in China eingereicht hat. Der Vorwurf: Die "Industrie- und Autogruppe Zonda" habe einen Luxusreisebus der MAN Tochter Neoplan haarklein nachgebaut. In seinem Blog erzählte Hillmann die Spiegelgeschichte inhaltsgetreu nach. Selnst der Einleitungssatz des Spiegelreports "Hemmungslos kopieren chinesische Geschäftemacher ausländische Markenartikel" fand sich in dem Blog wieder, allerdings hatte Hillmann "hemmungslos" minimal verschärft zu "schnell und skrupellos". Inzwischen ist dieser Satz aus dem Blog entfernt. Offensichtlich fürchtet er, insbesondere wegen dieses Satzes ins Fadenkreuz geraten zu sein.

Wie der Spiegel jetzt berichtet, erhielt Hillmann am 5. Januar eine Klageschrift (inklusive deutscher Übersetzung) eines Gerichts der Stadt Yancheng in der chinesischen Provinz Jiangsu, übermittelt durch das Amtsgericht Berlin-Mitte. Zhongwei Bus - deren Tochter Zonda zuvor von MAN verklagt worden war, hatte die Klage eingereicht und Hillmann wird darin vorgeworfen, den "Handelsruf des Klägers stark geschädigt" zu haben. Er solle am 17. Juli 2007 um 9 Uhr (Pekinger Ortszeit) in Yancheng erscheinen. Außerdem solle er innerhalb von 30 Tagen eine "schriftliche Einlassung" abgeben (= seine Vorwürfe zurückziehen und sich entschuldigen).

Hillmann hat sich den (laut Spiegel) enommierten Anwalt Alexander von Kalckreuth genommen. Und der hat ihm geraten, das chinesische Schreiben auf keinen Fall zu ignorieren. Denn dann könnte er in Abwesenheit rechtskräftig verurteilt werden. Und die Chinesen würden eine (sicherlich beträchtliche) Summe per Rechtshilfeverfahren einfordern.

Der Fall klingt zunächst dramatisch absurd. Demnach könnte jedem Blogger blühen, wegen irgendeiner juristischen Konstruktion vor irgendein Gericht auf dieser Welt vorgeladen zu werden. Kaum zu glauben. Und im konkreten Fall hat Hillmann als Autor klar erkennbar lediglich die Geschichte einer anderen Quelle eins zu eins nacherzählt. Warum also wurde also nicht der Spiegel verklagt? Vermutlich hat man sich, als einen ersten Schritt, zunächst den (finanz-)schwächsten Gegner ausgesucht, um zu sehen wie gut das Eis trägt. In der Tat ein brisanter Fall !

Saturday, December 30, 2006

Ein ganz schlechtes Signal

Die Ruckzuck-Hinrichtung Saddam Husseins

Treffen die Berichte zu, dann wird Saddam Hussein in wenigen Stunden hingerichtet. Und natürlich hat der der irakische Ex-Diktator wenig Potential für Mitleid oder Sympathie-Bekundungen, zuviel Blut klebt an seinen Händen, zu skrupellos hielt er sein Regime an der Macht. Insofern liegt es weniger an der Person Saddam Hussein als vielmehr an den Begleitumständen seiner Ruckzuck-Exekution, was allergrößtes Befremden auslöst.

Schon der Prozess selbst gegen den Despoten vom Tigris war von vielen Seiten als nicht westlichen Standards konform kommentiert worden. Arabische Stimmen sprachen gar von Siegerjustiz. Eigentlich war hier schon eine Chance vertan worden, nämlich ein über jeden Zweifel erhabenes Verfahren zu führen und ihn dennoch zu verurteilen - was angesichts der Unverblümtheit von Saddams Methoden nicht sonderlich schwer gewesen wäre.

Sich seiner jetzt sozusagen im Handstreich zu entledigen, sendet ein ganz schlechtes Signal aus. Nämlich dass sich die von den USA gestützte irakische Regierung und ihre amerikanischen Berater darauf "geeinigt" haben, dass allein nach 'ihren' Regeln vorgegangen wird. Und dass das Problem Saddam Hussein schnellstmöglich beseitigt werden soll. Der sunnitische Widerstand wird dieses Signal auf seine Weise deuten. Und eine weitere Eskalation der jetzt schon horrenden Gewalt im Irak vorherzusagen, dürfte selbst Berufsoptimisten nicht überraschen.

Was aber noch schlimmer wiegt: Dieses Signal wird den Nährboden, auf welchem der alltägliche Terror gedeiht, noch fruchtbarer machen. Und bei Vielen (anti-amerikanische) Ressentiments umkippen lassen in aktiven Terrorismus. In der Perspektive der amerikanischen Führung mögen Terroristen nichts weiter sein als ... Terroristen (ohne soziale, religiöse etc Umstände zu hinterfragen). Für die Realität bedeutet dieses falsche Signal aber ein weiteres Ansteigen der Opferzahlen, auch unter den US-Streitkräften. Und höchstwahrscheinlich auch eine Verlängerung des Quasi-Bürgerkriegs im Irak.

Wednesday, December 20, 2006

Geht's noch ungeniert naiver?

Google Zeitgeist, Google Trend und ein Spiegel-Kommentar




Google, wie auch andere Suchmaschinenbetreiber, bietet kleine Einblicke in seine statistischen Auswertungen. Google Trends ist ein Live Analyse Tool. Hier kann man gängige Suchbegriffe eingeben (bis zu 5 gleichzeitig) und sich die jeweilige Häufigkeit ihrer Aufrufe über einen bestimmten Zeitraum anzeigen lassen. Google Zeitgeist wiederum sind von Google in bestimmten Zeiträumen veröffentlichte Häufigkeits-Auswertungen, die, wie hier grob umrissen, allerdings redaktionell "begleitet" werden, anders ausgedrückt also gefiltert sind.

Unseren furchtlosen Kommentator vom Spiegel
kümmern derlei Hintergründe weniger. Beiläufig erstaunt zeigt er sich zunächst, dass "die nur mäßig bekannte Communityseite bebo" häufiger gesucht wurde als Myspace. Entgangen ist ihm hier zunächst, dass "Google actually doesn't list the most popular search terms; it lists the terms that are gaining in popularity the fastest" Ungleich entscheidender ist hier aber, dass die meisten Nutzer nicht mehr nach Myspace suchen, sondern direkt dort hingelangen.

Klassisch realsatirisch wird's dann beim Thema Sex. Holger Dambeck, unser Kommentator, wundert sich, dass der Begriif "Sex" im Google Ranking keine Rolle spielt, vermutet er doch - natürlich zu Recht - dass wegen Sex mehr gegooglet werden dürfte als über den von Google top gelisteten Begriff "Routenplaner". Dambeck recherchiert nun selbst, testet Google Trends und, voilà, bei seinem Versuch triumphiert "Sex" über "Routenplaner". Aber Aber. Die größte Überraschung dürfte hier noch sein, dass immerhin eine richtig große Menge Nutzer tatsächlich den Begriff "Sex" ins Suchfeld eingeben, um an Sex, Porn oder was auch immer zu gelangen. Eine, gelinde gesagt ziemlich unbedarfte Strategie. In der Realität von Google-Anfragen spielen mit Sicherheit jedoch Suchbegriffe wie "Dicke Titten", "Blasen" "free pics" und viele hunderte weitere die entscheidende Rolle, was den Bereich Sex betrifft. Dies zu ignorieren ist ungefähr so naiv wie die Annahme, Suchstatistiken mit dem Begriff "Computer" hätten irgendeine Bedeutung hinsichtlich des Suchverhaltens, das nach bestimmten Computerthemen fahndet.

Anders ausgedrückt: das Suchverhalten hinsichtlich bestimmter Bereiche ist, was die Eingabe der Suchbegriffe anbelangt, hochgradig fragmentiert. Und entsprechend schwierig sind statistische Aussagen hierzu. Interessant wird hier plötzlich die Meldung zu den Schwierigkeiten beim deutsch-französischen Suchmaschinenprojekt Qaero, insbesondere die Planspiele hinter dem möglichen deutschen Alleingang, eine semantisch orientierte Suchmaschine zu entwickeln. Wie realitätsnah die Hoffnungen dahinter sind, Google nennenswerte Marktanteile abzujagen, bleibt eine ganz andere Frage.

Sunday, August 27, 2006

Was für News .... WTF?





infoRADIO ? Hatte ich lange nicht mehr gehört in Berlin. Und fast schon vergessen, dass es sowas noch gibt. Heute hatte ich mein Deja Vue mit dem Nachrichtenkanal des öffentlich-rechtlichen RBB, dank eines Bekannten und seines unausweichlichen Autoradios.

Es ist immer wieder bemerkenswert, welche Ereignisse es in die aktuelle Berichterstattung schaffen. Etwa wer das Voltigieren bei der Reit-WM in Aachen gewonnen hat, vor 8000 Zuschauern. Oder, genauso gut, ein Vorbericht auf die Verleihung der Emmy Awards 2006 - und die Reporterin walzt genüsslich und mit 'feiner Ironie' (haha, hätte sie gerne) aus, dass es in Los Angeles sehr heiß sei, sehr zum Verdruss vieler Stars, die Gummi-Korsetts trügen, um eine 'bessere Figur' zu machen. Vielleicht ein leiser Hinweis darauf, nicht die Live Übertragung zu verpassen (sofern es eine gibt? ... ok.. ProSieben wird übertragen), um mitzuverfolgen, wie es den Girls zu heiß wird?.... UNSINN. Das Shrine Auditorium ist klimatisiert und der Weg von der Stretchlimo über den Roten Teppich kurz.

Und überhaupt: Wen interessieren in den USA verliehene Fernsehpreise...

Natürlich steht infoRADIO mit seiner redaktionellen Policy nicht allein. Öffentlich-Rechtliche 'lieben' in ihren Sendungen Rausschmeißer wie Berichte von Modeschauen, um so den Zuschauer mit einem milden Stirnrunzeln zu entlassen. Aber: Etwas nur deshalb zu machen, weil man es schon immer so gemacht hat, liefert keinen Grund, sondern eine self-fullfilling prophecy. So what the fluff?

Saturday, August 26, 2006

Am Rad drehen - noch keine Revolution

Logitech bringt Scrolling in die nächste Dimension












Schon merkwürdig. Eingabegeräte wie Mäuse oder Trackballs gehören zu den elementarsten Komponenten bei der Computernutzung. Trotzdem wurden in den letzten Jahren vergleichsweise nur marginale Fortschritte präsentiert, zumindest was Mainstream Produkte betrifft. Verbessertes Abtastverhalten, das war's im wesentlichen.

Vieleicht liegt's am Käuferverhalten. Irgendeine eine Maus scheint gut genug zu sein, Hauptsache sie hat 2 Tasten, Scrollrad, Laser-Abtastung und kostet nicht mehr als €25. Schwierig für Hersteller wie Logitech, Microsoft oder Kensington in einer solchen Situation, Kosten für Neuentwicklungen wieder reinzuholen.

Dennoch hat man sich bei Logitech hingesetzt und gefragt, welche Aspekte das Nutzer-Erlebnis am stärksten beeinträchtigen. Die Antwort war nicht überraschend: Scrolling in der bisherigen Weise ist vorsintflutlich ! Jetzt wurden MX Revolution und VX Revolution vorgestellt. Deren Scrollrad ist aus einer Metall-Legierung, dadurch schwerer und besticht durch 2 bemerkenswerte Features:
1) Das Rad übersetzt schnellere Drehbewegungen viel akkurater in längere Wege auf dem Bildschirm. Anders ausgedrückt: Durch längere Dokumente oder Webseiten kommt man mit deutlich weniger Aufwand.
2) ist das eigentliche Killer-Feature, der "Freewheel" Modus: Ein leichtes Anstoßen des Scrollrades lässt es selbständig weiterlaufen. Sehr schön, um etwa ad hoc an das Ende einer Webseite zu gelangen.

Logitech zeigt hat eine eindrucksvolle Demonstration.

Den mir bisher vorliegenden Infos kann ich nicht entnehmen, ob die Drehbewegungs-Geschwindigkeit progressiv übersetzt ist, ob also sehr schnelles Drehen eine Potenzierung des Scrollweges bewirkt. Zu wünschen wäre es - etwa in der Art wie es Kensington mit seiner Mouseworks Software, allerdings nur für normale Cursor-Bewegungen, sehr schön realisiert hat. Macworld hat eine informative Review zu den neuen Logitech Mäusen.

Die Logitech MX Revolution Maus kostet €95. Für circa den gleichen Preis erhält man Kensington's Expert Mouse Pro, einen Trackball mit 4+2 programmierbaren Tasten (systemweit und programm-spezifisch). Dessen klassisches 'Form follows Funktion' Design wirkt weniger verspielt oder überladen, ein großes Plus in der alltäglichen Nutzung. Kensington's Trackball kommt, im Gegensatz zu den Logitech Mäusen, mit einem großen Scrollring (um die Kugel herum platziert) - für mich der bessere Ansatz. Nicht nur, weil er etwa vom Videoschnitt her bekannten Jog/Shuttle Lösungen näherkommt. Sondern auch weil ein Scrollring - physikalisch - eine weitaus größere ansprechbare/bedienbare Fläche bereitstellt gegenüber einem im Vergleich dazu doch etwas popeligen Scrollrad.

Etwas neidisch als Expert Mouse Pro Benutzer bin ich allerdings auf die Freilauf-Funktion und die geringere Reibung der Logitech Räder. Ich wünschte, Kensington würde seine Eingabe-Geräte stärker am Markt platzieren und entsprechende Features für seine Produkte entwickeln.

Nur ganz am Rande notiert: Slashdot hatte kürzlich eine interessante Diskussion bezüglich Eingabegeräte und (vermeidbarer) Stress-Phänomene wie Gelenkschmerzen. Eine ganze Reihe (zumeist exotischer und kostspieliger) Lösungen wurden in der Diskussion beschrieben. Und es fiel auf, dass Kensington's Expert Mouse Pro einigemale lobenswert erwähnt wurde, gerade von Nutzern, die Erfahrungen mit unterschiedlichen Geräten haben.

Wednesday, March 08, 2006

Schäuble plant Kürzung der Sprachförderung für Ausländer




Weitblick !



Innenminister Wolfgang Schäuble mangelnden Weitblick vorzuwerfen, dürfte wohl ein zu einfaches Denkmuster sein. Sein Vorhaben, die Bundesmittel für die Sprachförderung von Ausländern und Zuwanderern um 67 Millionen Euro zu kürzen (AFP Meldung vom 8. 3.), wurde massiv kritisiert. So wittert der grüne Haushaltsexperte Alexander Bonde ein "fatales Signal".

Doch Schäuble hat schon weiter geplant. 67 Millionen Euro will er an den Sprachkursen einsparen, 78 Millionen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge insgesamt streichen (auf dann 312 Millionen Euro). Und er weiß eine bessere Verwendung für die freigewordenen Gelder. 55 Millionen sollen dem Etat der Bundespolizei hinzukommen, gleichbedeutend mit der Schaffung von 1200 neuen Stellen. Für den Grünen Bonde "eine dramatische Akzentverschiebung (...) von der Prävention hin zur Repression".

Doch Schäuble kümmert eine solche Signal-Logik wenig. Vermutlich hat er die Pariser Krawalle aufmerksam studiert. Und den Schluss gezogen: An ausreichenden Französisch-Kenntnissen mangelte es den Randalierern nicht. Zum Fenster hinausgeworfenes Geld, das er iangfristig besser angelegt sieht in massiverer Polizeipräsenz. Frühzeitig draufknüppeln und im Keim ersticken, bevor sich die Randale zum Flächenbrand ausweitet !

Natürlich könnte jemand versucht sein, Herrn Schäuble zu erklären: Die Entschärfung abgekoppelter sozialer Nischen und Parallelwelten, eine nachhaltige Integration von Ausländern also, beschränkt sich nicht auf Sprachkurse. Die Chancen, bei ihm damit auf Gehör zu stoßen, dürften jedoch nur sehr gering sein.

Friday, October 21, 2005

Saddams Strategie

"Ich bin der rechtmäßige Präsident."

Sinngemäß mit diesen Worten sprach der ehemalige irakische Diktator am ersten Tag des Sondertribunals dem Gericht jegliche Legitimation ab, über ihn zu urteilen. Allerdings erklärte er sich nach diesem Wortwechsel mit dem vorsitzenden Richter für nicht schuldig.

Welches Ziel mag der in der Vergangenheit stets fintenreiche ehemalige Tyrann sich zurechtgelegt haben? Oder haben ihm die Schikanen seiner amerikanischen Bewacher, Kontakt- und Informationssperre derart zugesetzt, dass er den Bezug zur Realität verloren hat? Kaum anzunehmen. Das Gericht einfach nicht anzuerkennen, ist zum Scheitern verurteilt. Das dürfte Saddam klar sein. Genauso gut könnte er sich zum Marsmenschen erklären, somit der irdischen Gerichtsbarkeit entzogen...

Aussichtsreicher wäre vermutlich, die unter seiner Herrschaft begangenen Greueltaten mit der damaligen irakischen Gesetzeslage und/oder staatlichem Notstand zu rechtfertigen.

Trotzdem wählt er diese absurd anmutende Strategie. Möglicherweise, weil er sich bewusst ist, dass er sowieso keine Chance hat, sein Todesurteil quasi schon beschlossene Sache ist. Und es ihm nur noch darum gehen kann, als Märtyrer zu enden. Und davor soviel Staub wie nur möglich aufzuwirbeln.

Äußerst kritisch wird der Saddam-Prozess in der arabischen Presse jetzt schon thematisiert. Nicht nur aufgrund des amerikanischen 'Hostings' - 50 Berater und 128 Millionen US-Dollar Finanzhilfe wurden bereitgestellt. Vielmehr noch wundert man sich über den Hauptanklage-Punkt, den Tod von 143 Menschen in der schiitischen Stadt Dujail. Angeblich, so das irakische Gericht, sei wegen der Beweislage dieser Fall am leichtesten zu verhandeln, und ein Schuldspruch in diesem einen Punkt reiche schon für die Todesstrafe. Also kommen gravierende Massaker wie der Giftgas-Einsatz gegen rebellierende Kurden oder iranische Truppen nicht auf den Tisch. Vor allem aber deshalb nicht, so vermuten arabische Kommentatoren, weil "die Vereinigten Staaten zu eng mit Saddam verbündet waren, als er seine schlimmsten Ausschreitungen gegen Kurden und Schiiten beging [...] Die Doppelmoral dieses Prozesses ist abstoßend."

Nach 3 Stunden am ersten Verhandlungstag wurde der Prozess auf den 28. November vertagt.

Wednesday, October 12, 2005

[Update] Video iPod - Wie erwartet !

Steve Jobs präsentierte zwei neue Modelle, 30 GB ($299) und 60 GB ($399). Allerdings wurden sie nicht offiziell "iPod Video" getauft. Offenbar will man die hinzugekommene Video-Funktionalität nicht zu sehr herausstellen, ein Blick auf die Akku-Laufzeiten zeigt warum.
30 GB Modell: bis zu 2 Stunden Video-Playback
60 GB Modell: bis zu 3 Stunden Video-Playback

Hier sind die technischen Daten.

Die native Auflösung des 2,5 Zoll Displays beträgt 320x240 Pixel. Auf den bekannten Geek Foren gab es sofort großes Gemaule. Wie ? So eine schwache Auflösung? Niemand räumt dabei ein, dass eine höhere Auflösung die Laufzeiten noch weiter in den Keller ziehen würde. Außerdem: Unterstützt werden auf dem iPod bis zu 768 Kbps, bei 30 Frames pro Sekunde. Das müsste für gute Qualität reichen, wobei ich zugegebenermaßen keine Erfahrung mit dem dabei verwendeten "Baseline Profile" habe.

Ein Tutorial für die Konvertierung eigner Videos zum iPod Playback bietet Apple hier.

Das als Zubehör käufliche iPod Universal Dock stellt zudem Audio- und Videoausgänge bereit, etwa um einen Fernseher anzuschließen.

Die neue Video-Funktionalität des iPods soll, wie ich zuvor vermutete, Apple dabei helfen, seine Marktposition abzusichern. Wesentlichster Teil dieser Strategie dürfte es sein, attraktiven Content über Apple's iTMS anbieten zu können. Ab sofort sind dort 2000 Musikvideos verfügbar (Downloadpreis jeweils $1,99). Außerdem hat Apple eine Kooperation mit ABC und Disney abgeschlossen und 5 derer TV-Shows können einen Tag nach Ausstrahlung downgeloaded werden (ebenfalls für $1,99). Zum Einkauf im 'Videostore' sind Updates auf die neusten Softwareversionen erforderlich - iTunes 6.0 und Quicktime 7.03 (Mac und PC).

Nein, noch kein Mutantenstad'l ! Oder andere deutsche Shows. Natürlich sind die 2000 Musikclips und 5 US Shows erst der Anfang. Es ist aber gut vorstellbar, dass die Musikvideos zunächst die nötige öffentliche Auffmerksamkeit erzeugen. Aber dass längerfristig der Download von TV-Material, nach schrittweiser Erweiterung des Angebots, ein ebenso großes Geschäft werden könnte.

Schließlich noch: Wer sehr Apple mittlerweile Kult geworden ist, sieht man auch daran, dass etwa ntv in seinem Wirtschaftsmagazin, das zeitgleich zu Steve Job's Keynote lief, quasi einen Live Update Service lieferte.

"One more thing..." - iPod Video !


Steve Job's Keynotes sind Kult. Und Apple's CEO ist sich dessen wohl bewusst. Fast schon zum geflügelten Wort wurde seine Angewohnheit, die wichtigste Produktneuheit, diejenige, worauf alle schon die ganze Zeit gespannt warten, erst ganz gegen Ende mit "One more thing..." einzuleiten.

Nun bekamen Analysten und Medienvertreter eine Einladung für einen special event am Mittwoch, 12. Oktober - One more thing... Keine weiteren Details wurden den Wichtigen der Branche serviert.

Über Apple Neuheiten wird vermutlich mehr als über die Pläne jeder anderen Firma spekuliert. Und eine lakonische Ankündigung wie diese heizt die Gerüchtemühlen nur noch weiter an. Die Analysten sind sich weitgehend einig: Einen Monat nach der Vorstellung des Winzlings iPod Nano (ebenfalls auf einem special event) wird jetzt der iPod Video kommen.

Allerdings wurde Steve Jobs noch bis vor kurzem nicht müde, genau ein solches Produkt kategorisch auszuschließen. Video reduziere die Laufzeit der Akkus viel zu schnell. Und überhaupt, wer wolle schon Videos auf einem Mini-Display sehen?

Gute Argumente.. Aber jenseits dieser technischen Widrigkeiten hat Apple ganz andere Prioritäten, nämlich Marktnischen besetzen und absichern, bevor dies andere tun. Und der Download von Videoclips, insbesondere von Musikvideos, könnte strategisch eine Schlüsselrolle bekommen, das Erfolgstandem iPod Player und iTunes Musicstore weiter auf Erfolgskurs zu halten (mit 80 - 85% Marktanteil in den USA z. B). Der iPod Video macht marktpolitisch eindeutig Sinn.

Als Videoformat wird Apple natürlich ein portables Profil von AVC/H.264 einsetzen. Seit seiner Einführung mit Quicktime 7 wurde der vom MPEGLA Konsortium lizensierte Codec quasi von einem Tag auf den anderen zu Apple's Hausformat. Seine massenhafte Verbreitung über iTMS und iPod würde den von Apple protegierte Codec gegenüber der Konkurrenz, insbesondere Microsoft's WMV, entscheidend voranbringen. Ein zweiter strategisch wichtiger Grund für den iPod Video.

Man kann gespannt sein, wie Steve Jobs seine bisherige (vermeintlich) ablehnende Haltung verkaufen wird.

Thursday, August 11, 2005

Die Mauer. Reloaded

Frustrierter Stoiber. Und die Frustrierten.

Gerhard Schroeder hätte ihn als Einwechselspieler für das 2. TV-Duell genommen. Edmund Stoiber muss dies krass gewurmt haben. Der Kurzurlaub am Bodensee besserte seine Laune nur vorübergehend. Immerhin sprangen dort ein paar Promo-Photos für den Stern heraus, routiniert kernig und entspannt, dabei ungewohntes eigentlich-netter-Kerl Flair zeigend. Nicht auszuschließen, dass das Ehepaar Stoiber vorher in Otto Versand Katalogen geblättert hat.

In Eglofs (Baden-Württemberg) war dann aber Schluss mit nett. Auf einer Wahlveranstaltung polterte der 2002 unterlegene Kanzlerkandidat: "Ich akzeptiere nicht, dass erneut der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird. Es darf nicht sein, dass die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen".

Schon erstaunlich. Erst sorgte der Ex-Militär und brandenburgische Innenminister Schönbohm für massive Antistimmung (nicht nur) im Osten. Und viele vermuteten eine naive und unbedachte Eskapade eines Stahlhelms. Aber jetzt wurde diese Leistung von Stoiber sogar noch getoppt: Die Gallionsfigur der Union als Elefant im verbalen Porzellanladen!

Natürlich schlagen die (medialen) Wellem erneut hoch. Und, nach einigen Tagen (und vermutlich gutem Zureden) bemüht sich der 1. Mann Bayerns um Schadensbegrenzung: Mit den "Frustrierten" meine er nicht die ostdeutschen Wähler, sondern "die Alt-Frustrierten Lafontaine und Gysi", also nicht 'die Frustrierten im Osten'. Sieht man die parallele syntaktische Konstruktion in Stoibers Originalzitat, so ist das schwer nachzuvollziehen. Im günstigsten Fall rutschte ihm eine grotesk unglückliche Formulierung raus.

Und Stoiber ist damit als der Mann mit der Mauer im Kopf in der öffentlichen Diskussion. Als der Tribun, durch dessen Hinterkopf düsterste Gedanken über die Ostdeutschen geistern, "dass er ihnen am liebsten faktisch das Wahlrecht entziehen will", so Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck. Aber auch die Kritik von der FDP und ostdeutschen Unionspolitikern fällt nur unwesentlich verhaltener aus.

Unterdessen spekulieren Parteienforscher über mögliche Auswirkungen auf das Wählerverhalten. Unumstritten ist: Der Verlust von 5 Prozentpunkten im Osten schlägt mit einem Prozent bundesweit durch. Weniger einig sind sich die Experten darin, wie sich mögliche Stimmenverluste im Osten durch Sympathie- und Stimmengewinne im Westen gegenrechnen lassen.

Die Kette von negativen Schlagzeilen, wie sie Union in den letzten Wochen hingelegt hat, dürfte unterdessen ziemlich einzigartig sein. Eigentlich ein schwer begreifbarer Vorgang... in Zeiten, in denen weit weniger bedeutende Größen Medienberater etc anheuern. Die Union scheint in dieser Hinsicht noch ziemlich unverbogen zu sein.

Tuesday, August 09, 2005

Hertha BSC: Saison gelaufen



Nur 2:2 am 1. Spieltag in Hannover

Vom Rest der Republik fast unbemerkt, waren die Berliner Öffentlichkeit und Hertha mit großer Zuversicht in die neue Saison gestartet. Die Champions-League sollte dieses Mal mindestens herausspringen. Als erster Schritt, auf dem Weg zu höheren Zielen. Auf "eine Augenhöhe mit dem FC Bayern" wolle man kommen, hieß es aus dem Umfeld des Clubs. Und irgendwann wird Hertha erneut einen Antrag auf Aufnahme in die G14 stellen, die Interessengemeinschaft der 14 'wichtigsten' Vereine Europas. Der letzte Antrag war sang- und klanglos gescheitert.

Doch jetzt steht Hauen und Stechen auf dem Programm. So titelte die "BZ": "Hertha-Frust. 15 kritische Fragen an Hoeness und Götz". Und bohrt... Das Frustwort heißt 'Transferpolitik'. Insbesondere sind Verstärkungen für den Angriff ausgeblieben. Dieser steht und fällt weiterhin mit Rafael und Wichniarek, Namen, die international wenig Schrecken verbreiten. Von Stars der G14 Haute Volée wie Cristiano Ronaldo oder Robinho ist man so weit entfernt wie Malta von einer eigenen Atombombe.

Und was die Hauptstädter noch mehr frustriert: Bundesligaklubs wie Schalke und Bremen sind, was die Besetzung ihres Kaders betrifft, deutlich davon gezogen. Experten sehen außerdem den Hamburger SV inzwischen auf einer Augenhöhe mit Hertha.

Und weil Frust der übliche Reflex auf ein geplatztes 'reality distortion field' ist - etwa in der Art 'Berlin = größte Stadt = Hauptstadt = Hertha = Top-Verein' - dringt das tatsächliche Potential des Vereins zu den meisten Hauptstädtern nicht durch. Insbesondere die finanziellen Möglichkeiten dürften limitierter sein, als vielen bewusst ist. Auf dem Einkaufszettel stehen in der Tat Nachwuchsspieler und ablösefreie Kräfte.

Thursday, August 04, 2005

Einfache Verhältnisse

Schönbohm und die 9 toten Säuglinge

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hatte ein Mitteilungsbedürfnis. Richtiges Sendungsbewusstsein gewissermaßen. 9 Säuglinge hat eine 39-jährige Brandenburgerin kurz nach der Geburt "entsorgt". 'Große Sache dies', muss es dem Minister durch den Kopf gespukt sein. Die Boulevard Medien waren auf Höchsttemperatur. Und den greifbaren Sieg seiner Partei bei der Bundestagswahl vor Augen, arbeiteten die Radars im Hinterkopf des guten Mannes fieberhaft. Der Ex-General kann sich Hoffnungen auf den Posten des Verteidigungsministers machen. Vielleicht kam ihm auch die Flutkatastrophe kurz vor der Wahl 2002 in den Sinn, die Gerhard Schroeder offensichtlich sehr half.

In seinem Kopf überschlug sich sein Sendungsbewusstsein in eine General-Abrechnung
"Die ländlich strukturierten Räume Ostdeutschlands sind stärker verproletarisiert"... "Mit der Kollektivierung der Landwirtschaft durch die SED in den 50er Jahren ging der Verlust von Verantwortung für Eigentum einher, für das Schaffen von Werten"... "Ich glaube, dass die von der SED erzwungene Proletarisierung eine der wesentlichen Ursachen ist für Verwahrlosung und Gewaltbereitschaft" (ist).
Und nach dem Tagesspiegel-Interview einmal richtig in Fahrt, legte er im ZDF, trotz bereits herber öffentlicher Kritik, noch einmal nach: "In totalitären Systemen war die Wertevermittlung kleingeschrieben". Der Staat habe die Werte vorgegeben und die Menschen überwacht, die gut damit gefahren seien, am Menschen oder anderen Dingen keinen Anteil zu nehmen.

Es dauerte gewisse Zeit, bis Jörg Schönbohm dämmerte, dass die Strickmuster eines Militärs nicht ohne weiteres für soziologische Analysen taugen. Und dass er mit seinem einfachen Webwerk keinen großen Anklang finden würde, nicht einmal bei seinen Parteifreunden. Cornelia Pieper (FDP) forderte sogar seinen Rücktritt. Schönbohm hat sich inzwischen entschuldigt.

TV-Duell Version lite

1 Duell, 90 Minuten, ARD, ZDF, RTL und SAT1 übertragen

Die 4 Sender wollten das Ereignis unbedingt, der Kanzler maß laut Spiegel "einem Duell mit Merkel keine übermäßige Bedeutung bei" und die Kandidatin ist mit der Lösung bestens bedient. Die von den Anstalten als Kompromissvorschlag präsentierte kleine Lösung wurde schließlich angenommen.

An den beschlossenen Details fällt auf: Es soll diesmal kein strenges Zeitreglement geben. "Alle Beteiligten waren sich einig, dass das Duell möglichst lebendig und spontan verlaufen soll", hieß es laut Spiegel. Lediglich auf gleichgewichtige Redezeiten solle geachtet werden.

Somit wird den Kontrahenten bestens Gelegenheit geboten, sich "für die breite Unterstützung landauf und landab zu bedanken". Oder den "beispiellosen Einsatz der Parteifreunde zu rühmen". Besteht kein Zeitlimit von z. B. 3 Minuten für die Antwort auf eine Sachfrage, kann man sich bestens mit Blabla durchhangeln. Ich begreife die Wurstigkeit der Anstalten in diesem Detail nicht. Anscheinend wollen sie das Duell um jeden Preis. Und weniger interessiert sie, ob die Kontrahenten dabei mit offenem Visier fechten (müssen).

Zu den Terminproblemen von Frau Merkel vermute ich: Angesichts ihrer häufig offenbarten Fahrigkeit gerade in wichtigen Diskussionen und Debatten, etwa vor der Vertrauensfrage, war ihren Beratern bewußt: Frau Merkel muss gründlichst auf diese Duelle vorbereitet werden, mit simulierten Duellen usw. Am besten wären natürlich lange Klausuren, mit Auswertung des aufgezeichneten Materials und einübender Korrektur. Angesichts der Kürze der Zeit bis zum Wahltermin natürlich nicht zu machen. Auch dieser Aspekt wäre somit geklärt...

Wednesday, August 03, 2005

A. Merkel und das 2. TV-Duell

Berater gegen Blamagen

Angela Merkel hat Berater. Zur Zeit sogar ein paar mehr, schließlich stehen Bundestagswahlen vor der Tür. Ihre Berater sollen Frau Merkel auf Kurs halten. Fettnäpfchen und Blamagen sollen verhindert, die positive Grundstimmung zementiert werden, immerhin lag die von Frau Merkel geführte Union in Wählerumfragen vor kurzem noch im Bereich der absoluten Mehrheit.

Jetzt gibt es erbittertes Gerangel um die TV-Duelle Schroeder vs. Merkel. Die SPD sowie ARD, ZDF, RTL und SAT.1 wollen zwei, Merkels Büro will nur einem zustimmen, "aus Termingründen". Und der Ton wird sogleich etwas rauh: „Es bleibt jetzt dem Bundeskanzler überlassen, ob er zu diesem einen Duell bereit ist oder ob es gar keins gibt“, erklärte Hausmann, der frühere CDU-Bundesgeschäftsführer. Dies sei „nicht verhandelbar“.

Schon letzte Woche verzichtete Merkel auf eine Reise nach Washington und schickte ihren Abgesandten Wolfgäng Schäuble zu Sondierungsgesprächen mit George Bush, aus "Termingründen". Schon hier vermuteten Kommentatoren eine Ausrede: Bilder mit dem US-Präsidenten könnten ihrem Image im Wahlkampf schaden.

Unverblümt bezeichnet Schroeder die neuerlichen "Terminschwierigkeiten" Merkels als "vorgeschoben". Der Parteienforscher Jürgen Falter erläutert, das 2. Duell sei vermutlich aus Sicht Merkels das problematischere, im letzten Wahlkampf habe Edmund Stoiber gerade im 2. Duell mit Schroeder schlecht ausgesehen.

Die TV-Anstalten beharren weiterhin auf zwei Duellen, dies sei "internationaler Standard". Und Schroeder legt in gelöster Haifischlaune nach: Wenn Frau Merkel keine Zeit habe, solle sie Edmund Stoiber zum Duell schicken.

Die öffentliche Punktwertung dürfte sehr deutlich Pro-Schroeder ausfallen. Wenn nicht sogar dieser Streit für Angela Merkel zur Peinlichkeit erster Kategorie auswächst. Und mit der von ihren Beratern verordneten strikt-defensiven Strategie, alle blamage-trächtigen Klippen zu meiden, Sachstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen und stattdessen allein auf ihr positives Image zu setzen, könnten diese sie schnurstracks in eine Mega-Blamage gehetzt haben, zumindest was den Punkt der TV-Duelle betrifft.

Sunday, July 31, 2005

Wowereit läßt "die Katze aus dem Sack"

Rot-Rot - das Schreckgespenst-Tabernakel

Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit schließt eine Koalition mit der neuen Linkspartei nicht prinzipiell aus. Wie programmiert malt uns CDU-Generalsekretär Kauder dieses 'Schreckgespenst' aus: "Wowereit hat die rot-rote Katze aus dem Sack gelassen."

In Kauders Horizont soll das heißen: Trotz aller Bekenntnisse der SPD, Mitglied unserer netten, anständigen und ehrbaren Familie sein zu vollen, hat sie schamlos und im Geheimen den bösen Plan geschmiedet, mit dem üblen Schmuddelkind Linkspartei spielen zu wollen. Zwar haben wir es schon immer geahnt, auch wenn wir nicht wagten, es auszusprechen, aber jetzt ist die hässliche Wahrheit auf dem Tisch.

Natürlich ist Wowereit ein Leichtgewicht innerhalb der SPD. Also genau der richtige Mann, um Leuchtspuren abzuschießen. Und er beeilt sich, gleich wieder nebulös zu werden: Eine Koalition mit der Linkspartei in der kommenden Legislaturperiode sei (natürlich) ausgeschlossen. Gelänge es ihr aber, sich als verässliche politische Kraft zu etablieren, könne über eine Koalition in der darauffolgenden Legislaturperiode nachgedacht werden.

Verständlich, dass jetzt SPD-Chef Müntefering am Zug ist: Auf Bundesebene werde es kein Zusammengehen "mit der PDS" geben. Schön... nur widerspricht er damit nicht Wowereit und seinen Gedankenspielen über die Zeit nach 2009. Schließlich versucht SPD-Fraktionsvize Hacker, die Scheinwelt der ehrbaren Familie verbal wiederherzustellen: Die Linkspartei komme als Partner der SPD nicht in Frage, "auch in zehn Jahren noch nicht".

Die interessantere Frage allerdings ist: Was wird hier (wie immer) gespielt? In den Raum gestellt wurde das Zerrbild des nicht-satisfaktionsfähigen Koalitionspartners 'Die Linkspartei', und die CDU/CSU sieht sich hier am Drücker, der SPD das Wasser der Glaubwürdigkeit abzugraben... Nur.. wen interessiert das überhaupt? Konzepte, Antworten auf brennende politische, wirtschaftliche oder soziale Probleme? Nope. Lieber sind die etablierten Parteien weiterhin damit beschäftigt, ihre alt-schauerlichen, anachronistischen Ränkespiele des Sich-gegenseitig-in-den-Regen-Stellens weiter zu verfolgen. Auch wenn die meisten den Kopf darüber schütteln. Parteienverdrossenheit, here we come !